Digitale Konzerteinführung | Bruckner 2
Shownotes
Bruckners Zweite Sinfonie wird oft als „Sinfonie der Pausen“ bezeichnet. Aber keine Sorge: Diese Pausen sind nicht still, sondern voller Spannung und geben der Musik Raum zum Atmen. Einer Musik, die für die Zeitgenossen zunächst als unspielbar galt. Die Wiener Philharmoniker lehnten das Werk erst einmal ab, es sei auch viel zu lang. Bruckner kürzte, mietete auf eigene Kosten den großen Saal im Musikverein, probte gründlich mit dem Orchester – und hatte Erfolg. Und was für einen, der Beifall des Publikums der Uraufführung am 26. Oktober 1873 wollte nicht enden. Bruckner selbst sprach später vom „denkwürdigsten Tag meines Lebens“. Heute steht die Sinfonie etwas im Schatten ihrer Nachfolgerinnen, aber zu unrecht. Alles, was Bruckner-Liebhaber schätzen: die großen Spannungsbögen, die zarten wie die gewaltigen Momente, die abrupten Pausen und Neuanfänge – sie sind hier alle schon da. Robert Treviño liebt Bruckner und hat seine Werke vielfach dirigiert.
Leider musste Christoph Eschenbach die Leitung der beiden Konzerte am 25. und 26. April 2026 aus gesundheitlichen Gründen absagen. Wir freuen uns, dass Robert Treviño, der bereits mehrfach bei der Dresdner Philharmonie gastiert hat, das Dirigat übernehmen wird. Das Programm bleibt unverändert.
Transkript anzeigen
00:00:04: Herzlich willkommen zur Konzerteinführung.
00:00:06: Digital, ein Podcastangebot der Dresdener Philharmonie.
00:00:10: Mein Name ist Albert Breyer und ich bin Komponist und möchte Sie in das Programm der Konzerte am fünfundzwanzigsten und sechsundzwanziger April einführen.
00:00:19: Auf dem Programm steht die zweite Symphonie in C-Moll von Anton Bruckner.
00:00:24: Die Dresdner Philharmonie spielt unter der Leitung von Robert Trevino.
00:00:38: Anton Brockners zweite Symfonie ist eigentlich schon seine vierte.
00:00:42: Vorausgegangen waren eine Symphonie in F-Moll, die sogenannte Studiensymphonie.
00:00:47: Die eigentlich auch genau das ist was der Name sagt eher ein Übungsstück.
00:00:53: dann kommt die offizielle erste Symphony ebenfalls in C-Mol wie die zweite mit der Bruckner seine symphonische Sprache gefunden hat.
00:01:05: Aber nach dieser ersten Symphonie der Offiziellen folgt dann eben nicht direkt die offizielle zweite, sondern eine Symfonie, die Bruckner später verworfen hat in D-Moll und dies unter dem Namen Die Nullte-Symphonie bekannt.
00:01:20: Also offiziell gibt es zu Anfang von bruckners symphonischem Schaffen zwei Symphonien in C-Mol was ja sehr ungewöhnlich ist.
00:01:28: Später kam noch eine dritte hinzu die achte Symphonies.
00:01:32: Aber diese drei C-Moll Symphonien sind untereinander so verschieden wie nur möglich.
00:01:37: Die erste ist ganz stürmisch, ganz optimistisch die zweite überwiegend ruhig und breit finde ich nicht die dritte ganz monumental und auch sehr expressiv.
00:01:51: Die zweite Symphonie entstand in einer Zeit als Bruckner erste Erfolge hatte und zwar nicht nur als Komponist, sondern vor allen Dingen auch als Organist.
00:01:59: Er hat eine England-Reise gemacht in London gespielt und da sehr viel Beifall erhalten und er kam nach Wien zurück und war dann auch wirklich hocherobenden Hauptdiss schon bald dabei eine neue Symphonies zu schreiben um sozusagen auf der Erfolgswelle weiterzuschwimmen.
00:02:19: Das geschah dann auch recht schnell.
00:02:22: Allerdings fingen mit der zweiten Symphonie Bruckners Schwierigkeiten an, was die Rezeption angeht sowohl bei den Musikern als auch beim Publikum.
00:02:32: Die Symphonien wurde nämlich zunächst einmal von dem Wiener Philharmonikan abgelehnt.
00:02:37: Bruckner ließ sich aber nicht beirren.
00:02:39: später kam es dann doch zu einer Aufführung, die er selber dirigiert hat und diese Aufförung war ein großer Erfolg.
00:02:48: Anders war es dann aber mit der dritten Symphonie, die war ein totaler Misserfolg und das wirkte leider auch auf die zweite Symphonien zurück.
00:02:56: Daraufhin traten Freundinnen heran und sagten vielleicht könnte er doch an diesen beiden Symfonien etwas ändern?
00:03:03: Und an den zweiten hatten sie vor allen Dingen zu bemängeln dass sie viel zu lang sei.
00:03:08: Bruckner hat dann wirklich Striche gemacht, also einzelne Teile ausgelassen.
00:03:12: Das hat aber immer noch nicht dazu geführt dass sich die zweite Symphonie eingebürgert hat.
00:03:18: das Problem hat in sein ganzes Leben eigentlich begleitet und es existiert noch heute weil Es einfach mehrere Fassungen dieser zweiten symphonie gibt Die nebeneinander stehen.
00:03:29: die unterscheiden sich auch in der spieldauer sehr stark.
00:03:32: die kürzeste dauert ungefähr fünfzig Minuten die längste ungefähr fünfundsechzig.
00:03:38: Die Unterschiede betreffen vor allen Dingen das Finale, bekanntlicher immer der schwierigste Satz in einer Sinfonie, worüber Progner besonders viel gestrichen hat.
00:03:47: Was man allerdings heute überwiegend schade findet, weil einfach dann doch dem Streichen viel wunderbare Musik zum Opfer gefallen ist.
00:03:57: Die Symphonie beginnt zum ersten Mal mit dem typischen Bruckner-Tremolo, was von da an alle Symphonien dann öffnen sollte.
00:04:05: Also eine leise tremolierende Streicherbewegung und auf dem Hintergrund dieses Tremolos erklingt dann das erste Thema.
00:04:13: Das ist für Bruckener auch relativ ungewöhnlich.
00:04:16: es ist kein stolzes Heldenthema sondern eigentlich eher so ein langgezogene Seufzer.
00:04:23: Das ist aber dramaturgisch auch außerordentlich sinnvoll, weil dieser Seufzer ist dann natürlich nicht das letzte Wort sondern wird dann entwickelt zu einer doch ganz prachtvollen und stolzen Melodie.
00:04:36: Aber das geht eben nicht so fort, sondern Schritt für Schritt.
00:04:41: Man hätte gesagt, dass jede Symphonie von Bruckner sozusagen die Welt-Entstehung des Kosmos aus dem Urnebel ist und das kann man hier besonders gut beobachten.
00:04:53: Zunächst mal eben dieses nebelhafte Tremolo dann diese Seufzer-Fragmente Melodiefragmente, die sich allmählich aber zusammensetzen zur größeren Einheiten zu ganz Großburgigen Melodien Und aus diesen Melodinen wird der ganz gewaltige ausgedehnt Satz schließlich geformt.
00:05:13: Das war damals ja doch noch recht ungewöhnlich, dass Sinfonie in einer so lange Spieldauer hatten das einzige Beispiel was so in die Nähe kommt war Beethoven's neunte Sinfonien.
00:05:23: da gibt es allerdings zum Schluss auch eben einen Chor auf den Bruckner immer verzichtet in allen seinen Sinfonieren im Unterschied zu Gustav Mahler der dann ab und zu ein Chor eingeführt hat.
00:05:35: Bruckner Symphonien sind rein instrumental, aber eben trotzdem so lang.
00:05:40: Und das heißt diese Länge hat noch einen anderen Hintergrund und der liegt vielleicht auch in Bruckners Persönlichkeit und vielleicht auch im Gegend in der Brucker Komponierte.
00:05:53: Man kann sich immer das Gefühl nicht erwähren, dass jede Symphonie von Bruckner so eine Alpenwanderung ist.
00:05:59: Also eine Bergbesteigung und zwar eine die doch sehr allmählich vor sich geht und sehr lange dauert aber dafür eben auch sehr hoch führt wirklich auf die höchsten Gipfel.
00:06:10: man braucht viel Kraft um dieser Wanderung durchzuhalten aber man wird belohnt von einem ganz gewaltigen Panorama rundblick.
00:06:19: Es ist auch so, dass sich ganz allmählich erst enthüllt.
00:06:22: Wohin man eigentlich überhaupt unterwegs ist und das ist von Burkner ganz planvoll angelegt durch die vier Sätze hindurch, dass man wirklich erst im Finale den allerletzten Gipfel erreicht und dann sozusagen den Rundblick hat um den es aber schon von vornherein ging.
00:06:42: Der erste Satz Wie gesagt sehr ausgedehnt und sehr klug aufgebaut.
00:06:48: Der zweite ist dann ein sehr kraftvoller Satz, das ist da nicht unbedingt so.
00:06:54: manche langsamen Sätze in klassischen Werken sind ja eigentlich eher so Ruhe pausen die so etwas lockerer auch gefügt sein können.
00:07:04: bei Bruckner ist dieser Satz sehr stark von einer inneren Kraft geprägt die sich sehr gut mitteilt hat.
00:07:11: dann auch große Steigerungen immer wieder, aber diese Steigerung sind eigentlich nicht nur äußerlich.
00:07:18: Also es wird nicht einfach nur immer lauter oder schneller sondern das ist vor allen Dingen eine Steigerungs des Innenlebens der seelischen Intensität die in diesem langsamen Satz besonders deutlich spürbar ist.
00:07:32: Dann kommt ein Skerzo, was so ein bisschen folkloristisch klingt aber dafür ein Trio hat, das wieder so leicht extatische Züge hat.
00:07:42: Es ist dann merkwürdig, dass ausgerechnet das Trio eines Kerzos jetzt gerade zu Fromm klingen sollte.
00:07:48: Aber man weiß ja, dass Bognativ im österreichischen Katolizismus verwurzelt war und da ist es eben so, dass es eigentlich keine rein weltlichen Angelegenheiten gibt und sogar ein Skerzo an manchen Stellen eben dann durchaus Frommklingen darf.
00:08:05: Das Finale dann sehr bewegt, sehr stürmisch und auch sehr zerklüftet.
00:08:11: Offenbar hat man es auf den letzten Metern der Bergwanderung doch noch mit einigen bergsteigerischen Schwierigkeiten zu tun.
00:08:19: Das ist auch der Satz, an dem am meisten geändert worden ist aber auch der Satz, der das Ganze zusammenfasst was ich zunächst auch mal darin zeigt dass hier das erste Thema des ersten Satzes einen Auftritt hat Allerdings in etwas anderer Umgebung.
00:08:35: Es klingt so ein bisschen wie einen Rückblick, als ob man sich an den Anfang der Bergwanderung erinnert und das behält auch nicht das letzte Wort.
00:08:44: Das kann es natürlich gar nicht, weil es ja noch ein Sofzertema gewesen war und damit kann bei Bruckner keinesfalls eine Symphonie schließen.
00:08:53: Der Schluss ist ganz optimistisch, ganz triumphierend mit dem vollen Orchester, wie eigentlich jede Brucknersymphonie schließt.
00:09:03: Man hätte das böse Wort gesagt, dass Bruckner nicht neun Symphonien kombinierte sondern nur eine und die dafür neunmal.
00:09:11: Wenn man sich aber die zweite Symphonie anschaut genau und sie vergleicht mit den anderen Symphonieren dann merkt man noch es ist ein völlig einzigartiges Werk.
00:09:19: Nur ganz selten hat Bruckener so viel innere Kraft gezeigt und so viel äußere Ruhe.
00:09:26: Es ist ein Stück was bei jedem Hören auch wieder neue Facetten offenbart und was auch wirklich geeignet ist, den Hörer egal in welcher Situation er sich jetzt befinden mag, innerlich zu stärken und ihm Hoffnung auf die Zukunft zu geben.
00:09:43: Zum Abschluss noch einmal der Hinweis auf die Konzerte.
00:09:46: Sie finden statt am Samstag den twenty-fünfzehnten April um neunzehn Uhr und am Sonntag den sechsunzwanzigsten April um achtzehn uhr im Kulturpalast Dresden.
00:09:56: Ich wünsche Ihnen viel Freude!
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