Digitale Konzerteinführung | Mozart und Glasunow
Shownotes
Mieczysław Weinbergs Sinfonietta Nr. 1 ist ein Werk voller Leichtigkeit und Zugänglichkeit. Doch hinter dem optimistischen Klang steckt eine beklemmende Geschichte. 1948 komponiert, entstand das Stück inmitten von Stalins antisemitischer Kampagne. Offiziell als „hell und optimistisch“ gefeiert, diente es den politischen Erwartungen, ohne Weinbergs fortschrittliche Kompositionsweise zu verraten. Mit Anklängen jüdischer Volksmusik, cleveren Variationen und einem Hauch von Schostakowitsch bleibt es ein faszinierender Spagat zwischen Konformität und künstlerischer Freiheit.
Mozarts Klavierkonzert KV 466 erscheint dazu wie ein Kontrast, in seiner Tonart d-Moll ist es jedoch ebenfalls ein Werk voller dramatischer Tiefe. Mozart schrieb es in einer Zeit persönlicher Umbrüche und Leiden.
Quasi versöhnlich schließt das Konzert: Glasunows „Die Jahreszeiten“ lässt die Natur in schillernden Orchesterfarben lebendig werden.
Transkript anzeigen
00:00:05: Herzlich Willkommen zur Konzertanführung Digital, ein Podcastangebot der Dresdner Philharmonie.
00:00:10: Mein Name ist Albert Breyer und ich bin Komponist und möchte Sie in das Programm des Konzerns am zweiten Mai einführen.
00:00:17: Auf dem Programm stehen die Sinfonietta Nummer eins von Miedschislav Feinberg, das Klavierkonzert in Demol vom Waffner Gambatiers Mozart und die Ballettmusik Die Jahreszeiten von Alexander Glasunov.
00:00:30: Die Solistin ist Alexandra Dorfgaard.
00:00:48: Wenn der Name Mijislav Weinberg genannt wird, dann ist normalerweise der Name Dmitri Shostakovich nicht ganz fern.
00:00:55: die beiden Komponisten waren sehr gut miteinander befreundet und es heißt dass sie sich jeweils gegenseitig ihre neuen Werke vorlegten zur Kritik eventuell zu Verbesserung und für weitere Anregungen.
00:01:08: Das ist wirklich der seltene Fall einer ganz, ganz erfreulichen Komponisten-Freundschaft.
00:01:14: Es gibt es ja nicht so sehr oft in der Musikgeschichte.
00:01:17: Brahms und Dvorak wäre ein anderes Beispiel.
00:01:21: Die beiden hatten auch in der damaligen Musikwelt ziemlich ähnliche Probleme nämlich sie hatten zu leiden unter der sowjetischen Kulturpolitik.
00:01:30: das war vor allen Dingen in den dreißiger und vierziger Jahren nicht ganz leicht wo ihre Musik ganz, ganz harter und scharfacker Dicke ausgesetzt war.
00:01:39: Und sie sich teilweise in ihrem kompositorischen Schaffen anpassen mussten an das was von ihnen gefordert wurde von offizieller Seite.
00:01:47: Die beiden haben auch ziemlich ähnlich reagiert.
00:01:50: Sie zogen sich dann auf die Volksmusik zurück, das war eine relativ ungefährliche Störung.
00:01:56: Das kann man auch merken in der Sinfonietta Nummer eins von Weinberg, die über weite Strecken von Volksmusique Gebrauch macht allerdings in einer sehr raffinierten Weise so dass man auch manchmal gar nicht genau weiß ob es jetzt wirklich echte Volks Musik ist oder eben erfundene Melodien.
00:02:17: Was unterscheidet eigentlich eine Sinfonietta von einer Sinfonie?
00:02:21: Nun ja, zunächst mal der Umfang.
00:02:23: Die Sinfoniatta ist normalerweise etwas kürzer aber auch die Struktur.
00:02:27: Eine Symphonie ist seit Beethoven eine sehr strengere Angelegenheit.
00:02:31: Sie wird meistens aus wenigen Grundelementen entwickelt, aber dann zu gewaltiger Größe aufgetürmt und diese Elemente müssen eben dann auf ganz verschiedenartige Weise entwickelt werden so dass zum Schluss ein ganz abgerundetes Ganzes auch entsteht.
00:02:48: Die Symphonierter ist da nicht so streng die ähnelt in größerweise mehr einer Suite also ist eher locker gefügt obwohl meistens die formale Anlage so in groben Zügen der Sinfonie entspricht.
00:03:01: Das ist auch bei Weinberg der Fall, seiner Sinfonierter ist viersätzlich im gewöhnlichen Satzablauf einer Sinfonien und der wahrscheinlich beste zumindest ergreifendste Satz ist in diesem Falle der zweite, der langsame Satz.
00:03:16: Langsame Sätze sind ja auch in klassischen Symphonien sehr oft das Herzstück der Komposition, etwa bei Schubert und dann bei Brahms wieder auch.
00:03:26: Weinberg knüpft hier an dieser Tradition an.
00:03:29: Er war vor allen Dingen ein sehr starkes lyrisches Talent.
00:03:33: Langsames Sätze ist ja auch sehr oft Gesangssätze und das kann man hier auch deutlich merken dass ihm das besonders gut lag also dass da eine schöne Melodie nach der anderen kommt, fast in der Art von Schubert.
00:03:46: Natürlich etwas modernerer Klangsprache und mit diesen folkloristischen Anklängen aber es ist doch eben ein langsamer Satz in der allerallerbesten Tradition.
00:03:57: Der erste und vierte Satz sind wie gewöhnlich ziemlich liebhaft tänzerisch.
00:04:02: Der dritte Satz ist etwas merkwürdig.
00:04:05: Der Ausdruckskerzo, der hier eigentlich gefordert wäre, passt nicht so richtig.
00:04:09: Es ist ein sehr ruhiger und zurückhaltender, auch gar nicht besonders schneller Satz.
00:04:15: Und von Humor ist auch nicht ganz viel zu spüren.
00:04:17: es ist eine etwas sehr zurückgenommen sehr innige Musik die aber auch irre tiefer in Hintergedanken zu haben scheint.
00:04:27: Das lässt sich an einigen Stellen dieser Sinfonierter auch beobachten, da geht es manchmal doch auch in Richtung von ganz elegischen melancholischen fast tragischen Gefühlen.
00:04:38: Allzu sehr durfte das nicht ausgebreitet werden aber die Anklänge sind doch sehr deutlich und die damaligen Zuhörer werden es auch verstanden haben dass diese Sinfonie eben auch ein Stück Zeitdiagnose ist.
00:04:52: Wir vergangen mit dem Motzart.
00:04:54: Der Moll Klavierkonzert ist eines von nur zwei, die er in Moll geschrieben hat.
00:04:59: Das andere etwas später entstande steht in C-Moll.
00:05:03: Und dieses D-Moll-Konzert war immer schon ein Liebling der Romantiker, wahrscheinlich auch weil D-mollstücke und überhaupt Mollstücken in der Klassik so selten sind.
00:05:13: Man dachte immer wenn der Komponist zu einer Moltonart greift dann hat er etwas ganz Besonderes zu sagen!
00:05:20: Die Romantika liebten ja die Moltonarten, diese etwas verschattete, ganz auszugsvolle Klangwelt und die meinte man eben im Mozart Konzert auch zu finden Zum Teil sicher auch mit Recht, andererseits ist es natürlich auch ein Konzert was in der klassischen Tradition steht.
00:05:38: Somit etwas übertreibung kann man ja sagen.
00:05:41: Mozart hat überhaupt das Klavierkonzert wie wir es kennen erfunden.
00:05:45: Zwar gab es auch schon im Barock Klavierkonzerte, einige von Bach.
00:05:49: Aber so dieses charakteristische was man heutzutage mit einem Klavier Konzert verbindet das ist nämlich eigentlich eine Dialogform ist, symphonischen Zuschnitts wo der Pianisten natürlich den Haupteinteil hat aber auch das Orchester gleichwertig mitreden darf und zwar in sehr verschiedener Weise dass zum Beispiel das Orkesta Gruppen bildet Bläsergruppen, Streichergruppen die dann jeweils für sich mit dem Klavier in Interaktion treten.
00:06:18: Diese Konzeption von Klavierkonzert geht eben auf Mozart zurück und da gilt das D-Moll-Konzert als ein Meilenstein.
00:06:27: Es hat einen sehr merkwürdigen Anfang nämlich zunächst mal gibt es gar kein Thema, keine Melodie sondern nur so eine sehr interessante synkopierte rhythmische Bewegung im D-moll Akkord.
00:06:40: Mählich schälen sich dann aber doch so melodische Ansätze heraus und wenn das Klavier dann seinen Einsatz hat, dann fängt es gerade an zu singen.
00:06:49: Das ist von Mozart dramaturgisch außerordentlich geschickt gemacht.
00:06:53: Der Gesang ist ja normalerweise nicht das, was man mit dem Klavier in Verbindung bringt.
00:06:58: Aber beim Mozart ist es eben doch so auch wenn er selber Klavier spielte.
00:07:03: dann wurde gesagt dass unter seinen Händen die Musik anfing zu singen und das ist in diesem Demoil Konzert auch ganz großartig gestaltet.
00:07:13: Es gibt dann also diesen Dialog zwischen Orchester und Klavier, wobei das Klavier eben sehr oft die Rolle einer Gesangsstimme einnimmt.
00:07:21: Aber es entwickelt sich dann doch auch ein ganz dramatisches Geschehen mit großen Höhepunkten was sehr ungewöhnlich ist.
00:07:29: der Satz hat nicht nur leise angefangen sondern er endet auch leise.
00:07:34: Das war bei klassischen Sätzen nun wirklich fast nie der Fall, zumindest der Schluss.
00:07:38: Der musste immer im Forte sein richtig laut aber das macht Mozart nicht und dadurch wird natürlich auch für die beiden folgenden Sätze noch etwas Spannung in Betto gehalten.
00:07:50: Der zweite Satz beginnt im Vergleich geradezu naiv.
00:07:54: Er heißt Romance und es gibt zunächst eine ganz einfache Romanzenmelodie.
00:08:00: Dann gibt es allerdings einen ganz stürmisch bewegten Mittelteil, der steht wieder in Moll.
00:08:05: Aber die Romanzenmelodie kehrt dann noch einmal zurück und wird auch so ein bisschen verziert und fährt zu einem friedlichen Ausklang.
00:08:14: Das Rondo des Schlusssatzes ist besonders virtuos angelegt.
00:08:19: da hat der Pianist richtig was zu tun.
00:08:23: Es hat für Mozart sehr seltenen fast geradezu aggressiven Charakter.
00:08:29: Man kann sich gut vorstellen, wie Beethoven dieses Konzert kennenlernte und das hat sofort auf den ersten Blick lieb gewonnen.
00:08:36: Er hat dieses Stück selber mehrfach gespielt und für den ersten und letzten Satz auch Kandänzen geschrieben die heute noch sehr oft verwendet werden.
00:08:45: Beethoven war ja selbst ein Komponist der die Moltonarten doch in ganz anderer Weise noch behandelter als Haydn und Mozart eben noch dramatischer, auch stürmischer.
00:08:57: Und die Tonat de Moll wurde dann eben auch zur Tonat seiner berühmten neunten Symphonie.
00:09:04: Das Konzert hat Mozart selbst Uhr aufgeführt.
00:09:07: Er war sehr in Eile und das heißt, dass er den letzten Satz noch nicht einmal am Klavier selber durchprobieren konnte sondern direkt aus den Noten bei der Uhrführung spielen musste.
00:09:17: aber es ist wohl alles gut gegangen nämlich Vater Leopold war in Wien und wurde man sehen wie's da seinem Sohn so ging.
00:09:25: Er war dann doch sehr beeindruckt von diesem großartigen Stück und hat da in einem Brief an Nanal Mozart, die in Salzburg geblieben war.
00:09:35: Dann den Wolfgang richtig gelobt.
00:09:37: das kam er bei Leopold nicht allzu oft vor.
00:09:40: der war ja durchaus auch kritisch eingestellt gegenüber den Werken seines Sohnes.
00:09:44: aber in diesem Falle war es ein großer Erfolg und Leopolt war sehr sehr stolz auf seinen Videos.
00:09:52: Alexander Glasunov ist ein Komponist, der ähnlich wie Mozart eigentlich ein Wunderkind war.
00:09:59: Schon mit sechzehn Jahren schrieb er seine erste große Symphonie die auch gleich eine Volk wurde.
00:10:06: Anders als Mozart hat er sich danach aber stilistisch kaum weiterentwickelt.
00:10:10: Er war ja in der Zeit Spätromantik geboren und wuchs da auf.
00:10:16: Und die Klangwelt von Tchaikovsky und Rimsky-Korsakov hat in Zeitlebens nicht verlassen, er hat bis in die dreißiger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts gelebt – zuletzt in Paris aber ist sich eigentlich stillistisch immer ziemlich gleich geblieben.
00:10:31: Seine Werke sind allerdings auch obwohl sie sich nicht so sehr stillistische voneinander unterscheiden von sehr hoher Qualität.
00:10:40: Nassunov war sehr virtuos, hatte ein großes theoretisches Wissen als Komponist und es fiel ihm offenbar alles ziemlich leicht die schwierige Kompositionswissenschaft zu beherrschen.
00:10:53: Und seine Werke sind immer bis aufs letzte ausgefallen.
00:10:57: Er hat sich dann auch sehr stark engagiert.
00:10:59: Als Lehrer war lange Zeit Direktor des St.
00:11:03: Petersburger später Leningrader Konservatoriums.
00:11:09: komponieren leider etwas nachgelassen, aber so Ende des Jahrhunderts hatte eine große Anzahl von Stücken geschrieben die auch heute noch bekannt und beliebt sind.
00:11:20: Dazu gehört auch die Ballettmusik.
00:11:22: Die Jahreszeiten ist natürlich ein Thema was in der Musik nicht allzu selten ist.
00:11:28: jeder denkt sofort an wie.
00:11:29: weil dieses berühmte vier Violinkonzerte die vier Jahreszeite Von Schalkowski gibt es einen Klavierzyklus, die zwölf Monate, wo man dann noch etwas mehr ins Detail geht.
00:11:42: Und Klasunov hat sich durchaus in dieser Tradition gesehen... Das Ganze war zwar ein Ballett, aber es gab eigentlich keine Handlung.
00:11:51: Es gab natürlich ein bisschen Dekor den Jahreszeiten entsprechend und auch die eine oder andere Andeutung wie die Tänze gestaltet werden sollten etwa dass die Blumen dann Auftritte hatten oder auch mythische Figuren die zu den Jahreszeit passen.
00:12:07: Aber insgesamt war es doch eine sehr freie Angelegenheit.
00:12:11: Das war für Glasonoff natürlich eine gute Sache.
00:12:14: Er konnte seiner Fantasie freien Lauf lassen, es ist auch gar nicht immer so dass man bei den Stücken jetzt ständig die Jahreszeiten im Hinterkopf hat ob es der Frühling oder der Sommer ist.
00:12:25: das ist dann noch nicht mehr so wichtig.
00:12:27: Wichtig ist, dass es eine Musik ist, die sehr stark melodisch bestimmt ist.
00:12:31: Aber wie ein Wunderz bei einem Ballett auch sehr stark tänzerisch und da steht vor allen Dingen der Walzer im Vordergrund.
00:12:39: in verschiedenen Abwandlungen und Variationen hört man immer wieder Walzerklänge.
00:12:45: Das ist ja eine der kanthiosesten Sachen, die Geschichte des Walzers wie ihr eigentlich Europa von Wien ausgehend erobert hat und überall Fuß fasste.
00:12:54: Und gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts man wirklich gesamt-europäisch nur noch Walzer tanzte.
00:13:02: Zum Abschluss nochmal der Hinweis auf das Konzert.
00:13:05: Es findet statt am Samstag den zweiten Mai um neunzin Uhr im Kulturpalast Dresden.
00:13:10: Ich wünsche Ihnen viel Freude.
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