Digitale Konzerteinführung | MacMillan und Chor
Shownotes
Bach – Britten - Pärt – MacMillan: zum „Tag der Befreiung“ am 8. Mai schlagen wir mit unseren Philharmonischen Chören musikalisch eine Brücke nach Großbritannien und präsentieren ein Programm, das unterschiedliche musikalische Zugänge zu Themen wie Frieden, Gedenken und Spiritualität beleuchtet. In seiner „Sinfonia da Requiem“ verbindet Benjamin Britten liturgische Elemente mit seiner persönlichen Tonsprache. Entstanden vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs, steht die Komposition als Mahnmal und Plädoyer für Frieden und Menschlichkeit.
Arvo Pärts „Da pacem Domine“ verbindet meditative Ruhe und eine klare, schlichte Ästhetik. Pärts minimalistische Klangsprache erhebt die lateinische Bitte um Frieden in eine zeitlose, universelle Dimension. Musikalischer Kern des Konzerts sind jedoch zwei Werke unseres Composers in Residence, der auch selbst am Pult steht. Besonders eindringlich sind seine „Cantos Sagrados“. „Beim Schreiben dieses Werks wollte ich etwas komponieren, das sowohl zeitlos als auch zeitgenössisch, sowohl heilig als auch weltlich ist“, meint er selbst. Entstanden ist ein berührendes Werk für Chor und Orchester, das unter seiner Leitung besonders ergreifend wirkt.
Die Konzertdauer beträgt insgesamt etwa zwei Stunden und umfasst eine Pause von rund 25 Minuten.
Transkript anzeigen
00:00:04: Herzlich Willkommen zur Konzertentführung Digital, ein Podcastangebot der Dresdner Philharmonie.
00:00:10: Mein Name ist Albert Breier und ich bin Komponist und möchte Sie in das Programm der Konzerte am neunten und zehnten Mai einführen.
00:00:17: Auf dem Programm stehen Werke von James MacMellan, der dieser Saison Composer & Residenz der Dressener Philharmy ist sowie von Benjamin Burton, Ava Perth und Knut Nischlett.
00:00:28: Die Dresdener Philharmo nie spielt unter Delatungen von Sir James Macmellen.
00:00:33: Es singen der Philharmonische Chor und der Philarmonische Kinderchor.
00:00:37: Gemeinsam mit dem Chorus onehundertsechzehn, mit dem Kamakor des Universitätskostriesten und den Männerkamakor Fortisibus.
00:00:55: Man hat das Wort Religion gedeutet als Zurückbindung, Rückbindung vom lateinischen Religere zurückbinden und das heißt wohl Rückbindung an die Quellen des Lebens, an die quellen des Wissens und an die quellen des Daseins.
00:01:13: Religion wenn sie in der Musik auftaucht ist dann doch auch etwas was die Musik in eine ähnliche Lage versetzt dass es sich also zurückbindet an ganz alte Zeiten vielleicht sogar an den Ursprung der Musik wie immer der ausgesehen haben mag.
00:01:32: Die Komponisten waren eigentlich deswegen auch meistens dankbar, wenn sie geistliche Werke schreiben durften.
00:01:39: Das das bedeutete, Sie konnten auf ein ganz großes Repertoire auch an alter Musik zurückgreifen in ganz alte Zeiten eben sich bewegen um dort etwas zu finden was dann doch wieder in der Gegenwart ganz relevant und ganz wichtig war.
00:01:57: In der europäischen Tradition ist das natürlich vorallem der gröganische Gesang, der immer wieder als Vorbild gedient hat für Komponisten und der ja eigentlich bis zum heutigen Tage eine ganz großartige Inspirationsquelle ist.
00:02:12: Aber auch andere Traditionen waren wichtig – etwa die Vokalmusik des Fifzehnten Jahrhunderts, die großen Akapella-Corewerke von Orchehemm-Düphai und dann auch später natürlich die Musik von Johann Sebastian Bach, der ja heute noch für viele der Inbegriffe von geistlicher Musik ist.
00:02:33: Als die ersten geistlichen Werke von Aworbert erschienen, da hat er man das Gefühl dass hier sozusagen die Musik sogar nochmal ganz von vorn anfängt, noch einmal neu erfunden wird, dass man wirklich an die Ursprünge zurückgeht und das auch für das Ohr direkt erfahrbar wird In der Komposition Kantus, die Perth zum Gedächtnis an Benjamin Brötten geschrieben hat.
00:02:59: Es ist z.B.
00:02:59: zu Anfang nur ein einzelner Glockenton, der klingt und dieser Ton klingt aus und wird dann wiederholt.
00:03:09: Das ist ein paar Mal derselbe Ton, der viel Zeit bekommt um sich auszubreiten und erst setzen hohe Streicher ein.
00:03:20: Ein wenig kommen tiefer dazu die Geigen beginnen und das geht dann runter bis zum Kontrabass.
00:03:26: Die spielen einen sehr, sehr langen und langsamen Kanon der aber wirklich auch so wirkt als sei dass die Musik die hier zum ersten Mal überhaupt entdeckt wird als Kunst Als Pert mit diesem Stück an die Öffentlichkeit trat hat das sofort sehr großen Eindruck gemacht.
00:03:47: sowas hatte man lange nicht gehört Zumindest der ersten Hälfte des Jahrhunderts ist doch allgemein sehr komplex.
00:03:57: Und hier waren dann plötzlich eine große Einfachheit zu spüren, aber eben keine bloße Simplizität sondern eine sehr durchdachte und ergreifende Einfachkeit.
00:04:09: Bert hat diese Art von Musik weitergeführt.
00:04:14: Sie ist auch zu merken in seiner Komposition Dapakim Domini, die dann allerdings auf einen Text zurückgreift.
00:04:22: Eine Bitte um Frieden.
00:04:24: Perth hat öfter Stücke geschrieben, die sich mit der Thematik des Friedens auseinandersetzen – was wahrscheinlich angesichts der Ereignisse des zwanzigsten und leider offenbar des XXI.
00:04:35: Jahrhunderts kein großes Wunder ist.
00:04:38: Krieg und Frieden sind immer große Themen.
00:04:41: Die Komponisten stellen sich natürlich auf die Seite derer, die den Frieden herbeisehnen.
00:04:48: Es gibt ja auch viele religiöse Texte, die bitten um Frieden sind – etwa die Schlussbitte des katholischen Messetexts am Schluß des Agnus Dei Dona Nobis Parkem Herr Gib uns Frieden.
00:05:01: und in dieser Tradition steht eben auch Avo Pert.
00:05:06: Von James MacMillan gibt es auch zahlreiche Stücke, die sehr weit in die Vergangenheit zurückgreifen.
00:05:13: Er ist ja ein schottischer Komponist und manchmal hat man den Eindruck, er greift dann auch auf Traditionen zurück, die eigentlich vor Christlich sind, die also sich zwar auf Schottland beziehen aber auf einen Schott-Land was vom Christentum noch nicht berührt war.
00:05:29: Da gibt es zum Beispiel auch Verwendungen der Instrumente, die ihr so zurückgehen auf schattische Traditionen, deren Ursprung man überhaupt nicht mehr bestimmen kann weil sie so weit zurückgehen.
00:05:42: Und es ist auch so, dass sich das bei Macmillan manchmal etwas vermischt.
00:05:47: Also dieser archaisch-schottische Klang auch mit einer fast alttestamentlichen Klangwelt.
00:05:53: wenn er zum Beispiel die Hafe einsetzt dann ist das einerseits die schottische oder irische Hafe aber auch vielleicht die Hafer des alten Testaments wie sie eben zum Beispiel vom König David gespielt wurde.
00:06:07: Man weiß natürlich nicht mehr genau, wie diese uralte Hafe aussah.
00:06:11: Aber das Wort ist uns geblieben und vielleicht gab es doch gewisse Ähnlichkeiten zwischen dieser ganz alten Hafe und der heutigen.
00:06:20: Jedenfalls in einem Stück Os Motorum für Frauenkorr und Hafe hat die Hafe doch diesen ganz altertümlichen Klang.
00:06:30: ein sehr altertümmliches Instrument ist auch die Trompete die Hart-McMellon eingesetzt in einem Werk für zwei Trompeten und Orgel, extra Sacherdos Magnus.
00:06:41: Und auch da haben die beiden Trompeten eben diesen klangtes Uralten aber gleichzeitig auch das ganz strahlenden und gegenwartigen.
00:06:52: In der großen Komposition Kantos Sagrados für Chordorchester hat Macmellen dann auf wesentlich mehr Traditionen noch zurückgegriffen, vielleicht von der Georgianik bis wirklich zum zwanzigsten Jahrhundert.
00:07:06: Gibt es hier einiges was anklingt?
00:07:09: Das Werk behält immer seinen geistlichen Charakter aber hat eben auch Elemente die zb aus der barocken Konzertmusik kommen oder aus sehr stark rhythmisch betontem Musik der zwanziger Jahre des zwanzissten Jahrhunters.
00:07:24: sogar leichte Jazz-Anklänge kann man finden wenn man will.
00:07:27: Aber es ist ja doch so, dass speziell die katholische Musik immer ganz umfassend sein will und das bezieht sich eben nicht nur auf die verschiedenen geschichtlichen Zeiträume sondern auch auf die geografischen Räume.
00:07:42: Da hat Macmillan wirklich ein großes Panorama geschaffen was sehr weit reicht bis nach Südamerika gleichzeitig sehr, sehr uralt klingt.
00:07:57: Aber eben auch ganz gegenwärtig sehr modern.
00:08:01: und aus dieser Gleichzeitigkeit eigentlich des Alten und das ganz, ganz Neuen bezieht die Musik ihre starke und ergreifende
00:08:10: Wirkung.".
00:08:13: Die Komposition von Knut Nystedt im Mortal Bach – wie der Titel schon andeutet – beziehte sich allerdings hauptsächlich wirklich nur auf Johann Sebastian Bach.
00:08:25: Was heißt nur?
00:08:25: Bach ist ja auch vielleicht der umfassendste aller Komponisten, aber hier geht es um ein ganz spezielles Stück.
00:08:31: Um das Lied Komm Süßer Tod aus dem Gesangbuch von Cemelli eine der berühmtesten Melodien von Bach.
00:08:39: Zunächst wird bei Nüstedt Bach im Original vorgestellt und erfährt dann mehrere Verwandlungen wobei sich der Chor ganz stark aufwächert und ganz ganz enge Intervalle dann singt, aber am Schluss einer jeder solchen Phase kehrt man doch immer wieder zurück zu den drei Klängen.
00:08:59: Es ist also so, dass man da praktisch auch einen geschichtlichen Prozess nachvollziehbar macht musikalisch der eben ausgeht von dem Original und dann in ganz anderer Gefälde abschweift aber zum Schluss eben auch wieder bei dem Original landet.
00:09:15: die Idee der Rückbindung wird hier also ganz plastisch vorgestellt.
00:09:22: Die Sinfonie der Requiem von Benjamin Britten ist ein Werk ohne Chor, ohne Text aber in den Satztiteln bezieht sie sich eben doch auch auf das katholische Requiem.
00:09:35: Der erste Satz Lacrimosa, der zweite Satz die Jesiree, der dritte Satz Requiem Eterna.
00:09:42: Dieses Werk hat eine etwas seltsame Geschichte.
00:09:45: es beruht nämlich auf einem Auftrag des japanischen Staats zur Japan-Feier.
00:09:55: Es ist ja doch sehr interessant diese Tendenz in Ostasien, dass man die Anfänge sehr weit zurück verlegt und vielleicht ist dieses Datum ja auch nur ein mythisches... ganz genau weiß man ja vielleicht nicht wie das war mit dieser Staatsgründung wann genau die Stadt gefunden hat.
00:10:12: Aber es ist doch so, dass das in Japan damals ein großes Ereignis war.
00:10:17: Und der japanische Staat also mehreren westlichen Komponisten auch große Aufträge gab unter anderem Richard Strauss und eben auch Benjamin Britten.
00:10:28: Britten wusste offenbar zunächst nicht ganz genau um was er sich handelt sonst hätte er wahrscheinlich nicht ausgerechnet eine Requiem-Symphonie den Japanern angeboten.
00:10:38: Die waren dann auch nicht so begeistert und haben ihn dann gefragt, warum er den Ausgerechnet zur Zwei-Tausend-Sächsen-Landfeuer von Japan ein Stück mit lateinischem Text und aus christlichem Kontext anbieten würde.
00:10:51: Das Stück wurde dann auch noch nicht gespielt.
00:10:53: und dann kam der Krieg.
00:10:54: die diplomatischen Beziehungen zwischen Japan und England wurden abgebrochen und das Stück wurde denn auch nicht in Japan Ohr aufgeführt sondern in den USA.
00:11:05: In den fünftiger Jahren hat es aber dann doch den Weg nach Japan gefunden und wurde in Japan sogar vom Komponisten selbst dirigiert.
00:11:13: Es ist eine sehr spannungsvolle Komposition, eines noch sehr jungen Komponenten.
00:11:19: Das Herzstück ist das Dies-Ere Eine Darstellung der Schrecken des jüngsten Gerichts.
00:11:25: Der Mittelsatz Das wird mit ganz originellen, instrumentalen Mitteln geschildert.
00:11:32: Ganz unerwartete seltsame Klänge die aber den Schrecken dieses Gerichtstags ganz großartig illustrieren.
00:11:41: Der Schluss Requiem Eternum ist dann nicht nur eine Bitte um die ewige Ruhe der Toten sondern eben auch ganz aktuell und konkret wieder eine Bitte.
00:11:50: Umfrieden Bretten war ja ein überzeugter Pazifist und hat seiner pazifistischen Grundeinstellung auch immer wieder Ausdruck gegeben.
00:11:59: Nicht nur musikalisch, sondern auch in Interviews- und schriftlichen Äußerungen.
00:12:06: Zum Abschluss noch einmal der Hinweis auf die Konzerte.
00:12:09: Sie finden statt am Samstag den neunten Mai um neunzehn Uhr Und am Sonntag den zehnten Mai um elf Uhr im Kulturpalast Dresden.
00:12:17: Ich wünsche Ihnen viel Freude.
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