Digitale Konzerteinführung | Kreuzchor und Philharmonie
Shownotes
Berühmter als Beethovens Neunte? Ja, im 19. Jahrhundert war der Chor-Einsatz in Mendelssohns „Lobgesang“ beliebter als die „Ode an die Freude“ aus Beethovens letzter Sinfonie. Bis heute gilt „Die Nacht ist vergangen, der Tag aber nahe herbeigekommen“ als einer der schönsten romantischen Chorsätze überhaupt. Aber Vergleiche hinken ja meist, und Felix Mendelssohn Bartholdy hatte es gar nicht nötig, Beethoven zu übertrumpfen. Sein Werk, das er 1840 zum Jubiläum „400 Jahre Erfindung des Buchdrucks“ für die Buch-Stadt Leipzig schuf, hat ganz eigene musikalische Qualitäten und verbindet Tradition und Innovation auf besondere Weise. Auch die beiden anderen Werke, die Dresdner Kreuzchor und Dresdner Philharmonie an diesem Abend gemeinsam aufführen, geben Chor, Solisten und Orchester je ganz eigene Aufgaben. Gelegenheit für beide, ihre besonderen Qualitäten zur Geltung zu bringen.
Transkript anzeigen
00:00:05: Herzlich Willkommen zur Konzerteinführung.
00:00:07: Digital, ein Podcastangebot der Dresdner Philharmonie.
00:00:10: Mein Name ist Albert Breier und ich bin Komponist und möchte Sie in das Programm des Konzerts am vierten September einführen.
00:00:17: Auf dem Programm stehen Werke von Felix Melazon Bartoldi Die Jümle Hör mein Bitten drei geistliche Lieder und Fuge sowie die Sinfoniekontate Lobgesang.
00:00:29: Die Solisten sind Julia Kleiter, Sopran.
00:00:38: Marie Henriette Reinholt, Alt und Mauro Peter Tenor.
00:00:53: Felix Mendelssohn Bartoldi war sehr begeistert von England.
00:00:57: Er ist in seinem doch ziemlich kurzen Leben zehnmal dort gewesen und natürlich auch in Schottland wo er seine berühmte schottische Sinfonie konzipierte.
00:01:07: Die Englieder haben seine Liebe zu ihrem Land durchaus mit Gegenliebe vergolden.
00:01:13: Mendelssohn wurde am Königshaus empfangen und war ganz allgemein in England sehr beliebt.
00:01:19: Man sah in ihm sozusagen eine neue Auflage von Georg Friedrich Händel, den die Engländer ja auch zu ihrem gemacht haben obwohl er aus Deutschland kam.
00:01:31: mit Mendelssonen war das so ähnlich und Mendelsohn wurde durchaus als sozusagen der Repräsentant von Handelsstreben, musikalischem Streben im neunzehnten Jahrhundert empfunden.
00:01:44: Da gibt es auch wirklich einige Beziehungen natürlich an Mendelsohn.
00:01:49: sehr gründlich Händl studiert daneben aber vor allen Dingen auch Johann Sebastian Bach.
00:01:55: Das kann man in seiner geistlichen Musik sehr gut merken.
00:01:59: Die ist im Medizons Werk so ein bisschen eine Sonderabteilung, Medizon hat für seine geistliche Komposition einen ganz bestimmten Stil entwickelt der einerseits natürlich damals der moderne Stil des frühen Notzen Jahrhunderts war aber eben auch zurückgriff auf die Barockzeit.
00:02:20: Dass man da so weit zurück ging, das war ja zu Mendelssohn's Zeiten noch gar nicht selbstverständlich.
00:02:24: Damals lebte die Musikwelt noch viel mehr in der Gegenwart im Augenblick und eigentlich ging es auch erst mit Mendelsson los, dass man sich um die alten Seiten kümmerte und die alte Musik dann auch ganz bewusst in seine eigenen Konzeptionen einarbeitete.
00:02:44: Mendelssohn hat zahlreiche Werke für England geschrieben.
00:02:48: Davon ist sehr bekannt geworden, die Hühnerhür mein Bitten ursprünglich auf einen englischen Text ein sehr ergreifendes Stück für einen Sopran Solo und einen Chor, die dann sehr differenziert miteinander abwechseln.
00:03:06: Dieses Stück war in England immer sehr beliebt und es gab dann in den zwanziger Jahren schon eine Aufnahme davon, die alle Rekorde gebrochen hat.
00:03:16: Es ist das erste Beispiel wohl einer Musikaufnahme von der eine Million Exemplare verkauft worden sind.
00:03:25: Das lag an einem bestimmten Sänger, nämlich einen Knabensupran der diese Aufnahme gemacht hatte und der dann zu einer Artista wurde.
00:03:37: Das ist auch heute noch erhältlich obwohl die Aufnahme von Und es hat auch etwas Rührendes, wenn man eben diese Stimme aus inzwischen längst vergangenen Zeiten hört.
00:03:51: Die aber immer noch ganz frisch und unschuldig klingt als ob es erst gestern gewesen sei.
00:03:59: Mendelssohn hat mit dieser Komposition eben nicht nur in England viel Erfolg gehabt sondern eigentlich auch in der ganzen damaligen Musikwelt.
00:04:08: Es ist allerdings auch ein besonders schönes lyrisches Stück.
00:04:12: Mendelssohn hat zwar in seiner geistlichen Musik sehr viel auch den Kontrapunkt verwendet, aber ursprünglich war ja doch vor allen Dingen eine ganz starke melodische Begabung und das kann man in seinen geistischen Werken auch immer wieder hören.
00:04:27: Wo er dann natürlich starke kontrapunktische Passagen hat, Fugen, Kanons auch, aber doch immer wieder zurückkehrt da zu ganz lyrischen intimen Momenten Vielleicht ein bisschen sogar wie bei Johann Sebastian Bach, der ja auch eigentlich ein ganz starker Lyrica war neben dem ganzen Kontrapunkt.
00:04:48: Was man etwa in Werken wieder Matthäus Passion hört die ganz stark eben auf den lyrischen Charakter der Arien gestellt sind.
00:04:58: Mendelssohn hat ja dazu beigetragen, dass die Matthäus-Passion nach langen Jahren des Vergessens wieder ihre Aufführung erlebte in Leipzig.
00:05:09: Leipzig war überhaupt ein guter Boden doch noch wie vor für die Kirchenmusik obwohl es Mendelssons Ehrgeiz auch war eine Art präussischer Rufkomponist für keistliche Musik zu werden.
00:05:22: Das ist ihm dann nicht so ganz geglückt, weil er doch die meiste Zeit seines Lebens in Leipzig verbrachte und nicht in Berlin.
00:05:30: Aber trotzdem wurde er natürlich auch in Berlin sehr stark wahrgenommen und immer wieder aufgeführt.
00:05:37: Es gibt ein weiteres Stück was hier für England schrieb drei geistliche Lieder und eine Fuge.
00:05:43: davon entstanden die geistlichen Lieder zuerst Die Fuge bei einer späteren Revision.
00:05:49: Mendelssohn verwendet hier Psalm Texte, die er sich wahrscheinlich sogar selbst bearbeitet hat.
00:05:55: Er war ja auch ein Sprachgenie und hat in seiner Jugend eine ganze Tragödie hergedichtet, hat auch übersetzt aus dem Lateinischen Kontengut Griechisch.
00:06:05: Und das waren natürlich gute Bedingungen wenn er einen Werk schrieb dass er dann mit dem Text auch selber umgehen konnte und ihn zum Teil sogar selber schreiben konnte.
00:06:17: Diese geistlichen Hühnen sind sehr charakteristisch für Mendelssohn.
00:06:22: Seine Kirchenmusik ist insgesamt eher sanftmötig, also nicht so dramatisch wie manchmal bei Bach sondern eher ruhig und versöhnlich.
00:06:33: Man glaubt sogar eher, dass man hier gar nicht erst mit protestantischer Musik zu tun hat.
00:06:38: Wo ja wie der Name schon sagt, der Protest auch immer ein bisschen hörbar wird das protestantische Selbstbewusstsein.
00:06:45: Minneson klingt manchmal eher so ein bisschen anglikanisch.
00:06:49: die anglikanesche Musikkultur ist ja auch sehr zurückhaltend sehr gemessen sehr feierlich wenig dramatisch und auch wenig schmerzlich.
00:06:59: Also so etwas wie die Passion von Bach gibt es da eher nicht, und es ist vielleicht kein Wunder das Mendelssohn in England zu erfolgreich war weil irgendetwas an seiner Persönlichkeit ihm diesem anglikanischen Geschmack auch sehr ähnlich sein ließ.
00:07:17: man kann sich das ja sehr gut vorstellen dass dann in der anglikäischen Liturgie Mendelsson eingefügt wurde.
00:07:25: es müsste sein.
00:07:26: Es hätte nie anders sein können, weil die Musik so hervorragend passte.
00:07:32: Etwas anderes ist die Sinfonie Kantate Lobgesank.
00:07:36: Die wurde aus einem besonderen Anlass geschrieben, nämlich dem Vierhundertsten Jubiläum der Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern durch Johannes Gutenberg.
00:07:47: Da fand in Leipzig eine große Feierstadt und die Leipziger hatten ja auch allen Grund, dem Gutenberg dankbar zu sein.
00:07:54: Schließlich war Leip sich die Bücherstadt.
00:07:56: mit der großen Messe einmal im Jahr schaute die ganze lesende Welt auf Leip.
00:08:02: was es da Neues gab und insofern war die Dankbarkeit für guten Berg dann auch richtig am Platz.
00:08:10: Mendelssohn hat lange überlegt, was für eine Art Werk er da anbieten sollte.
00:08:17: und schließlich ist das ein merkwürdiges Doppelwerk geworden so etwas in der Art von Beethoven's neunter Symphonie.
00:08:24: zunächst mal drei Sätze, die eigentlich mehr oder weniger normale Symphoniesetze sind in der Abfolge Allegro Hauptsatz mit langsamer Einleitung, dann eine Art Skertzusatz und ein langsamesatz.
00:08:39: Und dann kommt eben ein großes Chorfinale genau wie bei Beethoven.
00:08:44: Nur ist das Chorfinale beim Mendelssohn im Vergleich zu den anderen Sätzen noch wesentlich länger ausgefallen... länger als die ersten drei Sätze zusammen sogar viel länger.
00:08:55: Das ist bei Beethoven nicht so, da ist das Finale zwar auch sehr lang aber ist doch noch einigermaßen in Proportion zu den anderen Setzen.
00:09:05: Bei Mendelssohn weckt es dann eher so, als seien die drei Sinfoniesetzer eine Art lange Auvertüre zum eigentlichen nämlich zur der Kantate.
00:09:14: Die besteht nämlich aus zehn Teilen, die wechseln allerdings dann sehr fantasievoll ab zwischen Soli, zwischen Duetten, zwischen Terzetten und eben auch Chore Passagen.
00:09:27: Da zeigt Mendelssohn was er auf dem Gebiet der geistlichen Vokalmusik alles konnte.
00:09:32: Er hat sich allerdings auch hier ganz besondere Mühe gegeben und hat das Werk dann auch sehr geliebt und öfter aufgeführt.
00:09:41: Nach seinem Tode ist es als die Symphonie Nummer zwei bezeichnet worden und das hatte aber einen ganz äußerlichen Grund, nämlich Mendelssohn hat er seine erste Sinfonie nummeriert.
00:09:52: Und dann erst wieder seine dritte, nämlich die schottische Sinfonien.
00:09:57: Und für die Nummer zwei, da gab es nichts.
00:10:00: Man nimmt an dass es die italienische Symphonierte sein sollen, die vor der schottischen entstand aber mit der war er nie endgültig zufrieden.
00:10:08: Er wollte immer noch mal eine Schlusswassung dazu machen, aber dazu ist es dann durch seinen frühen Tod nicht gekommen.
00:10:17: Dann die erste Mittelzone-Ausgabe, die war nicht zufrieden mit dem Stand der Dinge und hat dann einfach den Lobgesang die Nummer zwei der Symphonien gegeben.
00:10:28: Heute ist man eigentlich mehr dazu zurückgekehrt diese Numerierung fallen zu lassen und einfach eben nur von der Symfoniekantate zu sprechen.
00:10:40: In der neuen Melzon-Ausgabe ist sie auch nicht unter den Sinfonien eingeordnet, sondern unter den geistlichen Werken.
00:10:47: Eine interessante Sache noch am Rand.
00:10:49: Der dritte Satz dieser Sinfonie overtüre hat als Bezeichnung Adajo Religioso Und man fahrt sich natürlich wieso es in einer geistlichen Komposition überhaupt nötig ist, religioso dazu zu schreiben.
00:11:07: Man sollte denken das ist eben doch alles religiös und frommen.
00:11:11: aber es ist ja schließlich dieser Satz ein Teil der Sinfonie also nicht automatisch etwas religiöses.
00:11:18: und interessant ist da noch was Mendelssohn offenbar unter religioso verstand nämlich eine sehr ruhige sehr bedächtige sehr ernste Musik.
00:11:29: Das verstand man wohl zum Ende sonst Zeiten.
00:11:31: und der religiös.
00:11:33: Ich glaube Bach wäre da nicht einverstanden gewesen, für den umfasste doch das Wort religiöse eine viel weitere Welt auch mit viel Dramatik, mit viel Angst, auch mit Viel Energie und eben nicht nur in dieser sehr gemäßigte freundliche Frommewelt.
00:11:52: Allgemein war das neunzehnte Jahrhundert ja auch theologisch sehr versöhnlich.
00:11:56: Man bekannte sich zu seiner Art Gefühlsrelikion, die weniger dogmatisch war sondern so eine Art Herzenschristenturm sein sollte.
00:12:06: und ganz viel davon ist auch bei Medellzohnen zu spüren.
00:12:10: Heute findet man es geradezu rührend wie damals noch so ein Kindliches Gottvertrauen herrschte was ich dann eben in der Musik von medellzonen besonders wunderbar niederschlug.
00:12:24: Zum Abschluss noch einmal der Hinweis auf das Konzert, das finde ich statt am vierten September um neunzehn Uhr im Kulturpalast.
00:12:31: Ich wünsche Ihnen viel Freude!
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