Digitale Konzerteinführung | Carmina Burana
Shownotes
Klänge, die sofort fesseln und unter die Haut gehen. Carl Orffs „Carmina Burana“ ist eines jener seltenen Werke, die auch Menschen begeistern, die sonst mit Klassik gar nichts „am Hut haben“. Seit seiner Uraufführung 1937 ist es das am häufigsten aufgeführte Chorwerk mit Orchester weltweit. Dabei sind die Zutaten eher massenuntauglich: mittelhochdeutsche und lateinische Texte aus dem 11. Jahrhundert, vertont oder komponiert mit Stilelementen des Mittelalters. Aber Orff wusste, wie man es macht: Riesenchor, massives Orchester, ein Schlagwerk wie Donner – schon der Eingangschor wirkt wie ein Naturereignis…
Unser Chefdirigent Sir Donald Runnicles hat es mit „Pini di Roma“ von Ottorino Respighi kombiniert, das mit einer ebenso unmittelbar wirkenden, farbenreichen Klangsprache frappiert, die auf starke Effekte, klare Tonalität und emotionale Direktheit setzt. Beide Werke entstanden in Zeiten faschistischer Regimes und wurden wegen ihrer monumentalen, leicht vereinnahmbaren Ästhetik propagandistisch genutzt – bei Respighi durch das Bild römischer Legionen, bei Orff durch archaische Chormassen. Problematisch ist jedoch weniger die Musik selbst als ihre historische Nähe zu totalitärer Symbolik.
Transkript anzeigen
00:00:04: Herzlich Willkommen zur Konzerteinführung.
00:00:06: Digital, ein Podcast an Gebot der Dresdner Philharmonie.
00:00:10: Mein Name ist Albert Breier und ich bin Komponist und möchte Sie in das Programm der Konzerten am zwölften und dreizehnten September einführen.
00:00:18: Auf dem Programm stehen das Orchesterwerk Pini di Roma von Autorino Respighi und die Carmina Burana von Karl-Auf.
00:00:27: Die Dresdener Philharmy spielt unter der Leitung von Sir Donald Warnickels Wunderschöner Baum, ganz charakteristisch mit ihrer schirmförmigen Krone.
00:00:48: Sie wächst vor allen Dingen im nördlichen Mittelmeerraum in Griechenland, Italien und Spanien.
00:00:55: Und sie verbindet sich zumindest für Ottorino Respighi vor allem mit der Stadt Rom wo man sie überall findet an den verschiedensten Orten.
00:01:04: Respigi hat vier Orte ausgewählt an den Pinienwachsen Und diese Orte hatte auf ganz bezauberter Weise musikalisch charakterisiert.
00:01:15: Im ersten Teil geht es um die Pinien beim Park der Villa Borghese, das ist hauptsächlich eine Darstellung von spielenden Kindern, die also in dem Park ihr Vergnügen haben und unter den Pinien die verschiedensten Spiele machen.
00:01:30: Das hört man sehr drastisch und deutlich auch in einer sehr fröhlichen ausgelassenen Musik.
00:01:38: Im zweiten Teil geht es hinab zu den Katakomben, da wachsen auch Pinien zumindest an den Eingängen.
00:01:48: Das hat entsprechend eine sehr düsterische Stimmung.
00:01:52: dieser Abschnitt und man wird ein bisschen zurückgeführt in die ganz alte spätantike Welt der Christenverfolgung der geheimnisvollen Abgründe und der Verstecke, eben in denen die Christen sich verbargen vor den römischen Verfolgern.
00:02:14: Im dritten Satz geht es auf einen der sieben Hügelroms auf den Gianicolo.
00:02:19: das ist ein besonders romantischer Ort und die Musik ist dort entsprechend auch sehr gefühlvoll sehr zart.
00:02:28: Da hat Resspighi sich was gestattet, das in seiner Zeit sehr revolutionär war.
00:02:33: Er hat nämlich eine Originalaufnahme von Nachtigallen eingebaut in die Musik.
00:02:40: Das ist eine Stelle wo man so eigentlich einer Instrumental-Kadenz erwarten würde und Städterkadenz etwa einer clarinette oder flöte, die sonst für Nachtigalen zuständig sind.
00:02:51: da hört man dann eben eine echte Nachtigall.
00:02:55: Die muss von Zeit zu Zeit erneuert werden, weil das Dronenband natürlich inzwischen so altes Erscheinung zeigt.
00:03:01: Aber dafür hat man dann immer eine etwas anders klingende und frische Nachtegal die sich aber meistens wunderbar in das Gefügel des Orchester Satzes einfügt.
00:03:13: Im vierten Teil geht es um die Pinien an der Via Appia, der alten Römerstraße rechts und links mit gewaltigen Grabmählern.
00:03:22: Und das ist wieder so eine Reise in die Vergangenheit diesmal in die große Zeit des Alten Rom wo man dann hört die ganze Pracht und den ganzen Stolz der Röme.
00:03:34: Das wird ein entsprechend orchestral richtig schön serviert Klangstärke auch und bildet dann ein grandioses Finale dieses wunderbaren Zyklus.
00:03:48: Die Kamina Burana sind ursprünglich Gedichte aus einer mittelalterlichen Handschrift, die im Kloster Benedict Boyan aufbewahrt wurde.
00:03:57: daher der Name Burana.
00:04:01: Dieser Handschrift kam eigentlich erst in den Zuge der Säkularisation, als die Klöster aufgelöst wurden und die Handschriften ihren Weg nach München fanden.
00:04:12: Man nimmt auch an dass in dem Kloster selbst diese Handschifte in einer Art Giftschrank aufbewahrt wurde, lange Jahrhunderte weil man den doch etwas anzüglichen Inhalt, den Mönchchen nicht zumuten wollte.
00:04:26: Die Kaminapurana enthalten nämlich ausgesprochen weltliche Gedichte obwohl sie höchstwahrscheinlich von Mönchen geschrieben wurde dieser Handschrift und auch die Dichter wohl überwiegend Mönche waren.
00:04:38: das ist so ein interessantes Phänomen dass Leute die wahrscheinlich in ihrem täglichen Leben ganz ganz streng ganz askehetisch lebten dann eben gefallen hatten an diesen ganzen ausgelassenen Gedichten, wo es um den Frühling geht.
00:04:53: Um die Liebe und auch um das Trinken.
00:04:57: Und worvor vor allen Dingen der Klerus ganz schön aufs Kran genommen wird.
00:05:01: Da gibt es jede Menge Spottgedichte über Geistliche, über Mönche, die zum Teil sehr witzig sind aber dann doch wohl in erster Linie auch so als Selbstparodie zu verstehen sind.
00:05:14: Da haben sich die Gelerne ziemlich lange gestritten, weil es doch etwas merkwürdig war das ausgerechnet diese Gedichte mit diesem ganz weltlichen Inhalt dann noch eine sehr strenge Form aufwiesen und sehr durch Dacht eigentlich waren, also ganz bestimmt jetzt nicht von gewöhnlichen einfachen Leuten so in der Art der Volksprosie gedichtet worden waren.
00:05:40: Sondern eben von Mönchen die wahrscheinlich im Kloster dann auch träumten einfach nur von der Welt dort draußen, die für sie verschlossen war.
00:05:50: und diesen Träuben gab es eben Ausdruck in diesem Gedichten.
00:05:56: Carl Orff stieß auf eine Ausgabe dieser Gedichte und hat daraus ein großes Scorewerk gemacht.
00:06:03: Zunächst sollte man denken, wie kann überhaupt ein Werk das vor allen Dingen lateinische- und mittelalterliche Texte verwendet?
00:06:11: Überhaupt so berühmt, so erfolgreich, so populär werden!
00:06:16: Am Text kann das wohl kaum liegen wenn man von einigen Mittelhochdeutschen Passagen absieht die auch heute noch ganz gut verständlich sind, sondern es liegt auch ganz entscheidend an der Musik.
00:06:28: Oh, fahrt sich hier ganz stark auf das melodische und das klangliche Element konzentriert!
00:06:35: Die Melodien sind meistens sehr einfach und sofort nachsingbar, manchmal sogar in der Art von Abzählreihen.
00:06:43: Die Instrumentation ist sehr direkt, sehr klankvoll mit viel Schlagwerk Rhythmische Unterstützung auch bietet.
00:06:57: Das Ganze ist überhaupt gar nicht mittelalterlich, obwohl es eindeutig etwas akarisch klingen soll aber es ist eben ein erfundendes Mittelalter.
00:07:07: Ein von auf Von A bis Z eigentlich musikalisch selbst erfundenes Mittelalter was wahrscheinlich gerade weil das ein erfunden ist um so durchschlagender wirkt.
00:07:20: Es gibt nämlich durchaus einige erhaltene Melodien auch zu den Carmina Burana, die auf aber nicht verwendet hat und diese Melodin sind heute auch noch weitgehend unbekannt obwohl sie eben in Noten existieren.
00:07:35: Das ist wahrscheinlich doch oft so in der Weltgeschichte und auch in der Musikgeschichte dass die Erfindungen eigentlich größeren Erfolg haben als die Wirklichkeit.
00:07:46: Zum Abschluss noch einmal der Hinweis auf die Konzerte.
00:07:49: Sie finden statt am Samstag, den zwölften September um neunzehn Uhr und am Sonntag den dreizehnten September um achtzehn uhr im Kultopoulast Dresden.
00:07:59: Ich wünsche Ihnen viel Freude!
Neuer Kommentar