Digitale Konzerteinführung | Mendelssohn Italienische

Shownotes

Giya Kancheli ist in Westeuropa weniger bekannt als Arvo Pärt, dabei sind sie sich musikalisch durchaus ähnlich! Die Stille ihrer Musik, ihr oft meditativer Charakter, die langsamen Melodien und die dunkle Intensität der musikalischen Stimmungen entfalten eine vergleichbare Klangwelt.
In den Norden entführt die Geigerin Lisa Batiashvili ihr Publikum mit dem Violinkonzert des Finnen Jean Sibelius. Eine „Landschaft aus Eis und Feuer“ wurde es oft genannt, und tatsächlich scheint es die Weite, Kälte und Einsamkeit skandinavischer Landschaften mit Energie und Kraft zu verbinden. Mendelssohns „Italienische“ dagegen sprüht nur so vor Elan und Lebensfreude. Dabei war der Komponist gar kein so großer Italien-Fan, Italien „macht mich müde“, bekannte er einmal. Aber inspiriert haben ihn italienische Tänze, südliches Temperament und für das Scherzo sogar der Gesang vorbeiziehender Nonnen allemal. Schon bei ihrer Uraufführung 1833 war das Londoner Publikum so begeistert, dass ihr Erfolg 184 Jahre vor Tiktok „viral“ ging und bis heute nicht nachgelassen hat.

Transkript anzeigen

00:00:04: Herzlich willkommen zur Konzerteinführung Digital, ein Podcastangebot der Dresdner Philharmonie.

00:00:10: Mein Name ist Albert Breier und ich bin Komponist und möchte Sie in das Programm des Konzerts am siebenzwanzigsten September einführen.

00:00:17: Auf dem Programm stehen die Komposition CO von Giacancheli, das Violinkonzert in Demol von Jean-Sypilius und die vierte Sinfonie in A-Dur Die Italienische von Felix Mendelssohn Bartolti.

00:00:30: Die Solistin ist Lisa Wattierschweli.

00:00:47: Gia Cancelli ist ein georgischer Komponist, der aber auch lange Zeit seines Lebens in Belgien verbracht hat und auch für kurze Zeit in Berlin ansässig war.

00:00:59: Er hat aber trotzdem seine georgische Heimat nie verleugnet und ist gegen Ende seines Lebens auch wieder Nacht Georgian zurückgekehrt.

00:01:09: Die georgische Musiktradition gehört ja zu den allerinteressantesten der Welt.

00:01:14: Das betrifft vor allen Dingen die alte geistliche Chormusik, die auch für heutige Ohren ganz merkwürdig modern klingt mit seltsamen Dissondanzen sehr aufregenden Harmoniefolgen und einer sehr speziellen Tongebung.

00:01:31: Daneben ist auch die weltliche Musik sehr interessant, die verschiedenen Arten von Tänzen.

00:01:36: Da gibt es auch von Trinkliedern eine sehr verbreitete Gattung in Georgien.

00:01:41: Da wächst halt eben sehr guter Wein.

00:01:45: Kancheli hat aus diesen Traditionen sehr reich geschöpft aber er hat sich auch die gesamte westliche Musikgeschichte sozusagen einverleibt so dass seine Komposition gar nicht leicht auf einen Nenner zu bringen sind.

00:02:00: Es gibt da sehr, sehr viele Spuren von allen möglichen Traditionen.

00:02:05: Sehr stark ist auch eine Beziehung auf die Romantik des späteren neunzehnten Jahrhunderts vor allem auch auf die verschiedenen Formen des Walzers, die bei Cancelli immer wieder anklingen.

00:02:19: Das sind dann eher nicht so die fröhlichen Walzer von Johann Strauss zum Beispiel sondern etwas melancholische Tänze manchmal sehr, und vor allen Dingen von einer unglaublichen Nostalgie.

00:02:33: Kancheli gehört wahrscheinlich zu den nostalgischsten Komponisten überhaupt, es gibt ja sehr viel nostalgische Musik weil einfach die Klänge der Musik sich so gut dazu eignen sich an vergangene Zeiten zu erinnern sich auch zurückzusehnen in die angeblich besseren früheren Zeiten.

00:02:53: nun ja ob das wirklich so war das kann man nicht wissen.

00:02:57: Daneben ist Cancelli ein Komponist, der sehr viel Gebrauch macht von der Stille.

00:03:02: Seine Kompositionen enthalten fast immer Passagen, wo fast gar nichts passiert oder sogar auch längere Pausen.

00:03:11: Danebem gibt es aber auch immer wieder ganz starke emotionale Ausbrüche, wo es dann auch kurzzeitig sehr laut werden kann.

00:03:19: Aber es überwiegt doch eben dieser leise ruhige, sehr empfindsame Ton.

00:03:26: Die Komposition Sioux ist für Klavierschlagwerk und Streicher geschrieben.

00:03:32: Das Klavier ist gar nicht mal so prominent, also es ist kein Klavierkonzert spielt aber eine wichtige Rolle.

00:03:40: die Streichern sind sehr differenziert behandelt.

00:03:43: da gibt's öfter auch solistische Passagen für eine oder zwei Keigen oder für die Bratsche.

00:03:50: das Stück bezieht sich ein bisschen natürlich auf den Titel.

00:03:55: Cio heißt Brise, also ein leichter Wind.

00:03:59: Man hat das Gefühl dass durch diese Musik eben die ganze Zeit so einen Wind weht der sie lebendig macht.

00:04:08: Daneben ist das Stück aber auch getönt von der typisch ganz shelly haften Melancholie.

00:04:14: Also diese Brise die wächst sich nie zu einem Sturm aus sondern bleibt immer sehr sanft und sehr sozusagen in Herbststimmung.

00:04:25: Die ganze Komposition wird eben getragen von diesem Gefühl, diesem Herbstgefühl dieser Melancholie.

00:04:33: aber das ist so kunstvoll gemacht dass es in keinem Moment langweilig wird oder dass man der Musik überdrüssig würde.

00:04:40: Es ist alles sehr feinsinnig auskomponiert.

00:04:46: Das Violinkonzert von Sibelius hat seiner Wurzel in einer ganz anderen Welt gegend In Skandinavien und in Finnland.

00:04:53: Sibelius war ja der erste und gleichzeitig größte finnische klassische Komponist sozusagen.

00:05:01: Es war damals eine Sensation, dass jemand aus Finnland kam und plötzlich mitspielen wollte bei den großen Komponenten des weiter südlich gelegenen Europas.

00:05:11: Dazu gehörte natürlich auch, dass so ein Komponist unbedingt einen Violinkonzert schreiben musste wie es eigentlich ja vorher fast alle großen europäischen Komponenten getan hatten.

00:05:21: Vielleicht mit der Ausnahme von Franz Schubert.

00:05:25: Sibelius hat sich dann seine Aufgabe auch mit großer Energie gewidmet und ein geradezu gewaltiges Violinkonzert geschrieben, gewaltig nicht nur wegen seiner Ausdehnung und seinem Charakter sondern auch wegen den Ansprüchen an den Solo-Part.

00:05:41: Es ist wahrscheinlich eines der schwierigsten Violinkonzerte überhaupt geworden das die Literatur kennt.

00:05:47: Ursprünglich war es sogar noch länger und noch schwieriger, aber nach der ersten Aufführung die nicht besonders gut klappte weil einfach der Solist in Anforderungen nicht gewachsen war.

00:05:59: Nach dieser ersten Aufführung also hatte sie Belius da ungefähr fünf Minuten rausgeschnitten aus seinem Werk.

00:06:06: Es ist immer noch großartig und grandiose und virtuos so dass man es auch nicht unbedingt merkt das da stark gekürzt worden ist.

00:06:16: Der erste Satz alleine ist schon ein richtiges Drama für sich.

00:06:21: Sibelius ist es da gelungen, ganz verschiedene Elemente zu einem Ganzen zu vereinigen.

00:06:26: Einmal so eine nordische Balladenstimmung und dann natürlich auch die geradezu paganinihafte Virtuosität aber eben auch immer wieder sehr kantable, liedhafte Passagen die dann von der Geige wunderschön gesungen werden.

00:06:42: Das Ganze noch mit großen dramatischen Steigerung und einer vollminanten Solokadenz, die ausnahmsweise die Stelle der Durchführung einnimmt.

00:06:53: Der zweite Satz ist zunächst etwas ruhiger, ist auch in Durr aber hat dann auch eine große Steigerunk.

00:07:00: Hier kann sich die Violine sogar mehr aussingen als im ersten Satz.

00:07:05: Dafür ist dann der letzte Satz sehr, sehr tänzerisch mit einem ganz zündenden Rhythmus.

00:07:11: Sibelius hat allerdings von einer Don's Macabre gesprochen also einem Totentanz.

00:07:17: so von der Tanzart her würde man eher sagen es handelt sich um eine Art schnelle Polonese erinnert etwas an den Schlusssatz von Schumanns Violin Konzert in derselben Tonart was auch eine Art von Polonise ist.

00:07:33: Nur der Witz ist, dass Sibelius dieses Konzert gar nicht kennen konnte.

00:07:37: Weil es lange Zeit schlummerte in den Archiven und erst im Jahr die Musikgeschichte wieder aufgeführt wurde als Sibelios sein Konzern schon längst geschrieben hatte.

00:07:47: Das sind solche Spiele, die die Musik Geschichte manchmal spielt... Dem soll man vielleicht auch nicht allzu viel Bedeutung zumessen.

00:07:55: Andererseits ist es doch auch interessant, diese geheime Kommunikation zwischen den Komponisten die immer wieder stattfindet wo dann plötzlich Ähnlichkeiten auftauchen obwohl sie vielleicht gar nicht bewusst beabsichtigt waren.

00:08:11: Felix Mendelssohn ist in seiner Jugend und später auch viel gereist.

00:08:15: Sein Lieblingsland war England da ist er insgesamt zehnmal gewesen und natürlich auch im Schottland Italien, da war er zwei Jahre lang als junger Mann mehr oder weniger auf den Spuren von Johann Wolfgang von Goethe.

00:08:31: Dessen italienische Reise hatte ja immer in der Tasche und so... Hat er so ein bisschen versucht, da Goethe-Erlebnisse nachzuerleben und er dieselben Orte aufgesucht wie Goete.

00:08:42: Er kannte ja Goete persönlich.

00:08:44: die Vermittlung war geschehen durch Mendelssohn's Lehrer Karl Friedrich Zelter der einer der besten Freunde von Goete in dessen späteren Jahren waren.

00:08:53: Der Briefwechsel von Goehte und Zelter ließ sich auch heute noch ganz ganz frisch weil die beiden wirklich ungefähr alles sagen konnten, was so ihnen in den Kopf kam.

00:09:05: Bei Schiller musste Goethe ja immer etwas vorsichtig sein – da war schließlich auch ein Konkurrent bei Zelter.

00:09:11: Da konnte er seine Stimmung freien Lauf lassen.

00:09:14: Der war weit weg in Berlin und war als Musiker eben auch Goete nicht gefährlich.

00:09:21: Mendelssohn hat sich übrigens sehr gut verstanden, auch mit Goethe erst mehrmals in Weimar gewesen.

00:09:28: Während sie an der italienischen Reise nun sind sowohl Goetha als auch Zelta gestorben bei der eighteenhundertzweiunddreißig.

00:09:36: Man sagt dass Zeltha vor Kuma über Goethis Tod gestorbt ist obwohl er eigentlich viel jünger war als Goethea.

00:09:44: aber das konnte er nicht überleben dass sein bester Freund eben nicht mehr auf der Welt war.

00:09:50: Man hat auch gesagt, dass der zweite Satz von Mendelssohn's italienischer Symphonie so eine Art Todenklage sei.

00:09:57: Sowohl für Goethe als auch für Zelte haben dieser zweiten Satz.

00:10:00: Der fällt in der Tat ziemlich raus aus der Symphonies.

00:10:04: Die heißt nun mal zu recht italienisches Symfonie weil es überwiegend einen ganz strahlen das ein ganz sonniges Werk ist.

00:10:11: nur der zweite Satz ist eben in Moll sehr getragen mit einer Melodie die etwas an einen Choral erinnert.

00:10:19: Eine andere Geschichte weiß, dass Mendelssohn in Neapel eine katholische Prozession beobachtet hat und die Inspiration für diesen langsamen Mollsatz eben von dieser Prozission herrührt.

00:10:32: Das wird man nicht mehr klären können – wir können leider Mendelsson nicht mehr fragen!

00:10:39: Wie gesagt ist die Symphonie aber überwiegend sehr sonnig.

00:10:41: Ganz besonders der erste Satz.

00:10:43: etwas strahlenderes hat selbst Mendelssohn wahrscheinlich nicht komponiert, das ist schon so eine Art Tarantella im schnellen Sechstachtel-Takt wo wirklich die Sonne scheint in jedem Takt.

00:10:56: Dazu trägt auch die Tonart ADUR bei.

00:10:59: ADUR gilt traditionell als die hellste Tonart mit drei Kreuzen, eine sehr hochgestimmte, sehr fröhliche Tonart.

00:11:09: Der zweite Satz, wie gesagt ist dieser langsame Moll-Satz.

00:11:12: Dann kommt ein dritter Satz der auch nicht unbedingt so italienisch klingt eher so fast ein bisschen rococohaft menuetartig.

00:11:20: im Trio gibt es dann Horna die so die deutsche Romantik hervorrufen.

00:11:26: das ganze Stück ist sehr gemessen und sehr zurückhaltend.

00:11:30: wahrscheinlich dachte medelsohn dass in so einer überschwänglichen symphonie es auch ganz gut tut wenn so die stimmung etwas zurückgenommen wird.

00:11:40: Im letzten Satz, da geht es allerdings wieder richtig los.

00:11:42: Salta rello heißt der Salta Rello das ist ein... Pring, Tanz und da wird nun wirklich musikalisch gesprungen und gehüpft was das Zeug hält.

00:11:52: Diesmal im Zwölfachteltakt.

00:11:54: der erste war im sechst Achtel gewesen, der letzte eben in zwölf Achteln.

00:11:58: Das Tempo ist noch ein bisschen schneller geworden Und was ganz merkwürdig ist die Tonart ist jetzt wieder Moll.

00:12:05: Die Symphonie steht ja offiziell in A-Dur und hat eben auch wirklich zwei Sätze In dieser Tonart den ersten und dritten Aber der letzte ist in Amol.

00:12:16: Das ist in der symphonischen Literatur ganz, ganz einzigartig.

00:12:19: Es gibt zahlreiche Moll-Symphonien die Indur aufhören etwa Beethoven's fünfte und neunte Symphony.

00:12:26: aber Symphonien, die Indoor anfangen und den Moll aufhörn, die gibt es eigentlich gar nicht.

00:12:33: Dieses Moll ist allerdings kein düsteres Moll, sondern eben ein sehr lebhaftes, sehr tänzerisches Moll und von daher merkt man vielleicht gar nicht dass das wirklich Moll.

00:12:45: Aber der ganze Satz ist eindeutig auf A-Moll bezogen.

00:12:51: Johannes Brahms hat es nachgemacht, allerdings nicht in einer Symphonie, sondern in seinem Klaviertrio in H-Dur was endet Ein Stück des Brahms in seiner Jugend schrieb und in späteren Jahren nochmal überarbeitet hat, eine Neufassung auch herausgegeben hat.

00:13:09: Dasselbe hatte Mendelssohn auch vor er hat seine italienische Symphonie zur Lebzeit nicht erscheinen lassen obwohl sie bei der Uraufführung die natürlich nicht in Italien stattfand sondern in Mendelssons geliebten London.

00:13:24: Da hatte sie großen Erfolg gehabt, aber Mendelssohn war nicht zufrieden damit.

00:13:29: er hat noch weiter daran rumgearbeitet.

00:13:32: Aber es ist nicht recht was raus geworden.

00:13:35: man kann heute diese Ansätze zur Umarbeitung studieren und muss feststellen dass das eigentlich wirklich keine Verbesserungen waren.

00:13:42: Heute wird auch fast immer eben die Originalfassung gespielt dann in London verblieben ist die Partitur davon.

00:13:52: Und die Engländer haben sich dann auch sehr gut an dieser Sinfonie erinnert und konnten es nicht recht verstehen, dass Minneson sie zurückgehalten hat.

00:14:01: Vielleicht hängt das doch auch ein bisschen mit diesem Italien-Komplex von Mädelsuren zusammen.

00:14:06: Das er meinte, dass sein nun einfach nicht seine Welt – das italienische Er sei so mehr ein nordischer Typ der sich in Schottland wohlfühlt und daher eben die berühmte schottische Symphonie.

00:14:18: Aber wenn man das Stück hört, dann hat man das Gefühl, in Mendelssohn hat sich da gefühlt wie der Fisch im Wasser.

00:14:24: Das Stück ist von Anfang bis Ende einfach perfekt und wahrscheinlich die schönste italienische Komposition, die es überhaupt gibt.

00:14:34: Zum Abschluss noch einmal der Hinweis auf das Konzert!

00:14:37: Es findet statt am Sonntag den siebenundzwanzigsten September um elf Uhr im Kulturpalast Dresden.

00:14:43: Ich wünsche Ihnen viel Freude.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.