Digitale Konzerteinführung | Mozart Prager Sinfonie

Shownotes

Traditionell wird es eher mit Volksmusik assoziiert: als Instrument des Jahres 2026 rückt das Akkordeon endlich auch ins Blickfeld des Klassikpublikums. Zurecht, denn es ist viel mehr als ein wuchtiger Blasebalg! Als „Maschine mit einer Seele“ — ein Instrument mit mechanischen Teilen und gleichzeitig „atemhaftem Zentrum“ beschreibt es Dobrinka Tabakova, die Komponistin des Akkordeonkonzerts „Sublime Dreams of Living Machines“. Raffiniert verbindet es emotionale Direktheit, klangliche Raffinesse und zeitgenössische Reflexion über Mensch und Technik. Auch Janáčeks Oper „Das schaue Füchslein“ ist mehr als es auf den ersten Blick scheint, nämlich kein harmloses Tiermärchen, sondern eine Parabel auf die Unvollkommenheit des Menschen. Ganz unbeschwert erscheint dagegen Mozarts „Prager“ Sinfonie, die bald nach ihrer Uraufführung 1887 in Prag zu einem Lieblingsstück des Publikums wurde.

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00:00:04: Herzlich willkommen zur Konzerteinführung Digitalen, ein Podcastangebot der Dresdner Philharmonie.

00:00:10: Mein Name ist Albert Breyer und ich bin Komponist und möchte Sie in das Programm des Konzerts am zehnten Oktober einführen.

00:00:17: Auf dem Programm stehen die Pragesinfonie von Wolfgang Gabbardius Mozart, das Konzerte für Accordion und Orchester, Sublime Dreams of Living Machines, von Dobrin Katabakova und die Suite aus der Oper das schlaue Füchslain von Leo Schianacek.

00:00:32: Die Dresdner Philharmonie spielt unter der Leitung von Keri Masan.

00:00:36: Die Solistin ist Xenia Sidorova.

00:00:49: Die Symphonie in D-Dur, Köcheverzeichnis, die so genannte Praga-Symphonie, ist ein ganz besonderes Stück in mehrfacher Hinsicht.

00:00:59: Es hat sich auch einige Eigenschaften, die sie unterscheiden von allen anderen Symphonien Mozarts.

00:01:06: Zunächst mal hat sie nur drei Sätze.

00:01:08: Das ist für späte Symphonien von Mozart sehr ungewöhnlich, die haben eben normalerweise die üblichen vier Sätze.

00:01:15: bei der Prager-Symphonie fehlt das Menüet.

00:01:19: man weiß gar nicht genau warum das so ist.

00:01:21: eine gemeinen einfach nur Auszeitmangel weil die Aufwörung der Symphony schon in Aussicht genommen war und Mozart einfach nicht mehr dazu kam ein Menüett zu komponieren.

00:01:32: Andere meinten, es sei dem ernsten Charakter der Sinfonie nicht angemessen so einen fröhlichen Tanzsatz an dritter Stelle zu haben.

00:01:42: Der Charakter des Sinfonies ist wirklich sehr ernst trotz der Durtonart.

00:01:46: Es gibt da sehr viel Kontrapunkt.

00:01:50: Mozart hat sich ja mit Bach kündlich beschäftigt und die Folgen davon kann man unter anderem in dieser Sinfonien bewundern Und überhaupt fehlt der Sinfonie so dieses etwas entspannte, gelassene Graziöse was man sonst mit Mozart verbindet.

00:02:07: Es ist teilweise eine Symphonie von sehr hartem Klang fast ein bisschen schon wie ein früher Beethoven und das hat die Zeit genossen auch durchaus zunächst etwas in Verwunderung versetzt.

00:02:20: Das war so ein etwas anderer Mozart als man den kannte.

00:02:24: In dem Urführungskonzert ist Mozart auch als Pianist aufgetreten und das hatte zur Folge, dass in meisten Kritiken die Symphonie erst gar nicht erwähnt wurde.

00:02:35: Weil man Mozart als Klavierspieler so fantastisch fand, dass man da unbedingt einiges dazu sagen musste während die Symfonie wohl zunächst nicht so gut ankam.

00:02:46: Das hat sich aber dann bald geändert.

00:02:48: Heute geht die Symphonie neben den berühmten letzten drei Symphonien als die bedeutendste von Mozart überhaupt.

00:02:56: Das macht sich gleich schon zu Anfang bemerkbar, dass das hier etwas ganz Besonderes ist.

00:03:00: Die Symphonier hat was für Mozart ungewöhnlich ist eine ausgedehnte langsame Einleitung im ersten Satz und zwar die längste Einleitung die Mozart überhaupt je geschrieben hat.

00:03:13: Die fängt schon leicht zu Anfang an, in ganz merkwürdige tonale Gefilde sich zu begeben.

00:03:19: Da werden Thronarten berührt die schon sehr weit entfernt sind von DEDUR.

00:03:25: Das alleine führt dazu dass man natürlich auch entsprechend einen Weg zurück braucht und von da ja auch das Ganze dann etwas länger wird als gewöhnlich.

00:03:34: Dieser Weg zurück führt dann zum Allego-Hauptsatz, der auch ein höchst seltsames Thema hat.

00:03:41: Da gibt es zunächst einmal eine... kantable Melodie, die aber kontrapomptiert wird von einer sehr lebhaften Begleitstimme.

00:03:50: Die dann sich gar nicht als Begleidstimme entpuppt sondern als die eigentliche Hauptstimme.

00:03:55: also es ist schon das Beispiel von einem Thema was eigentlich aus zwei Elementen besteht, die gleichzeitig gespielt werden.

00:04:02: auch dass eine höchste anspruchsvolle Sache, die man selbst beim Mozart nicht allzu oft findet.

00:04:09: Was aber typisch für Mozart ist, dieser erste Satz hat einen unglaublichen Gedankenreichtum.

00:04:14: Da gibt es mindestens sechs verschiedene Themen statt der üblichen zwei und noch dazu wird dann in der Durchführung auf ein Thema zurückgegriffen was in der Exposition gar keine große Rolle gespielt hatte.

00:04:28: Mit dem beschäftigt sich Mozart sehr lange auch im kontrapunktischen Sende.

00:04:32: Es gibt sogar eine Art Fugato.

00:04:35: Das Ganze ist der Vielfalt der Themen entsprechend auch höchst abwechslungsreich, wobei fast alle Themen diesen ernsten Grundtoren haben.

00:04:44: Manche erscheinen dann in Moll.

00:04:46: Es ist auch so, dass der Orchesterklang sehr stark bestimmt wird von den Bläsern.

00:04:51: Das war in der Zeit auch eher ungewöhnlich, wo das Symphonieorchester hauptsächlich von den Streichlein getragen wurde.

00:04:58: Mozart hatte ja in seinen großartigen Bläser-Serenaden ganz genau ausprobiert wie man für Bläse schreibt und das ist in dieser Symfonie überall zu merken.

00:05:09: Es gibt sehr viele Bläsersoli aber auch Sätze in denen die gesamten Holzbläser einzulich der Hörner den Streichern gegenübergestellt werden.

00:05:20: Eine besondere Rolle spielt die Flöte, wobei es heißt das Mozart hat die Flüte als Solo-Instrument eigentlich gar nicht besonders mochte, dass er seine Flötenkonzerte eigentlich eher widerwählig geschrieben habe.

00:05:32: Davon ist aber in der Parkensynphonie überhaupt nichts zu merken.

00:05:35: hier wird die Flötel sehr brillant und eben sehr oft auch ganz wichtig und thematisch eingesetzt.

00:05:43: Der zweite Satz, ein Andante in G-Dur aber auch weniger lieblich als sehr ernsthaft vor allem im Mittelteil der dann sogar fast ein bisschen dramatisch wirkt.

00:05:55: Auch hier eine große Vielfalt von Melodien und ein Orchester Satz der manchmal fast ein wenig wie Brahms klingt also ein eher völliger Klang mit Terzverdopplung den man von Mozart sonst gar nicht gewöhnt ist.

00:06:10: Das Finale ist dann ein sehr merkwürdiger Satz.

00:06:14: Ein Presto-Finale mit ganz harten Orchesterakzenten, wo dann unvermittelt Piano Passagen abgelöst werden durch forte oder fortissimo Passagen des gesamten Orchestertutis.

00:06:28: eine Musik die überhaupt nicht freundlich sein will sondern sehr hart ist und richtig dreinschlagen kann also fast etwas aggressiv wirkt.

00:06:38: Es gibt zwar auch kleine, mehr spielerische Unterbrechungen.

00:06:41: Aber der Grundton ist eben doch immer diese fast aggressive Ernsthaftigkeit, möchte man sagen die man sonst eher mit Beethoven in Verbindung bringt.

00:06:55: Das Accordion ist ein Instrument was im klassischen Symphonieorchester fehlt.

00:07:00: allerdings hat es im zwanzigsten Jahrhundert schon mehrfach versuche gegeben es zu verwenden und eben auch als Soloinstrument zu verwende.

00:07:10: In dieser Tradition sieht sich auch Dobrinka Tabakova.

00:07:14: Das ist eine Komponistin, die in Bulgarien geboren ist aber schon sehr früh nach England kam und bis heute in England lebt und dort auch sehr bekannt ist.

00:07:27: Sie hat ein Werk geschrieben was eben jetzt ernsthaft versucht das Accordion als Solo Instrument zu etablieren.

00:07:34: Es ist ja eine merkwürdige Sache dieses Accordions.

00:07:37: Zunächst mal ein sehr mechanisches Instrument, aber dann hat es doch auch diese Fähigkeit zu atmen bedingt durch die Accordion typische Spieltechnik.

00:07:47: und dieses Atmen das wird die Komponisten immer schon fasziniert.

00:07:52: Das drückt sich auch aus in dem Titel des Stücks Sublime Dreams of Living Machines.

00:08:00: Das Accordion ist sozusagen eine lebende Maschine, die zur ganze Supplymen Träumereien verführt.

00:08:07: Es ist ein Instrument was fast so ein bisschen wie die Orgel eine ganz große Anzahl von Klangfarben hervorbringen kann und auch einen sehr großen dynamischen Bereich abdecken kann.

00:08:19: Insofern sollte man decken, dass das eigentlich ein Instrament für solistische Aufgaben sehr gut eignet.

00:08:26: Man kann nur hoffen, dass das in Zukunft auch weiter passieren wird.

00:08:31: Das Konzert hat drei Sätze folgt ein bisschen so der klassischen Tradition formal aber jeder Satz ist ganz individuell gestaltet und bietet wieder eine ganz andere und neue Ausdruxebene.

00:08:47: Lios Janacek war als Komponist ein ausgesprochener Spätentwickler.

00:08:52: er hat seine besten Werke geschrieben also schon weit über sechzig war.

00:08:57: Es ist vor allen Dingen erstaunlich, dass er die Kraft besaß im hohem Alter noch viele Opern zu schreiten.

00:09:04: Jeder der sich als Kompanist mal mit einer Oper versucht hat, der weiß wie anstrengend das ist.

00:09:10: aber bei Janacek Schien es merkwürdigerweise so zu sein, dass ihm das Komponieren mit zunehmendem Alter immer leichter fiel und die Werke immer glücklicher in spannender wirken.

00:09:22: Dazu rechnet auch das schlaue Füchsline, eine spiete Oper und wahrscheinlich überhaupt die reizvollste Allajana-Check-Opern.

00:09:30: Es ist eine Tieroper, die eine ganz merkwürdige Gemäse hat – nämlich die Anregung erhielt Jana Jack durch einen Fortsetzungskomik in einer tschechischen Zeitung.

00:09:41: Und es heißt, dass er sich jeden Morgen diese Zeitung besorgte und zunächst dann auf diesen Comic stürzte.

00:09:48: Hat der eben das Schlaue Füchsläuen als Hauptfigur hatte.

00:09:53: Als genügend Folgen erschienen war, hat er auch Material für eine Oper und hat sich das Libretto mehr oder weniger selbst zusammengestellt.

00:10:03: Es ist dann so eine kleine Geschichte daraus geworden, in der eben die Tiere eine große Rolle spielen.

00:10:08: Aber auch überhaupt alles das was mit dem Wald zu tun hat.

00:10:12: ein Förster-Einjäger kommt natürlich vor.

00:10:16: Das schlaue Füchslain ist wahrscheinlich einer der sympathischsten Gestalten der Opern Literatur überhaupt.

00:10:21: es ist eben wirklich ein schlaues Füchslein wie es im Buche steht.

00:10:26: Der Fox geht ja als traditionell sehr intelligentes Tier Und das neue Füchslain stellt dann auch alle möglichen Streiche an und man kann es verfolgen eben auf seinem Lebensweg durch den Wald.

00:10:41: Am Schluss wird es dann leider doch erschossen, aber es steht schon ein neues Füchslein bereit.

00:10:48: Das Füuchslein hat nämlich geheiratet und Kinder bekommen und das neue ist dem alten wie aus dem Gesicht geschnitten.

00:10:58: Janacek hat sich angerät gefühlt durch die vielen Tiergestalten, durch große Passagen, die eigentlich als Ballettmusik gelten können.

00:11:07: Wo dann wirklich ganz beschwingte Tanzmusik erklingt, die dann verschiedenen Tieren zugeordnet ist.

00:11:13: Besonders reizvoll zum Beispiel an Tanz der Libellen wie überhaupt auch die Insekten davor kommen.

00:11:19: das ist so bündtechnisch eine ganz schöne Herausforderung dass man eben Tierkostüme erfinden muss, die einigermaßen plausibel wirken und in denen man sich gut bewegen kann.

00:11:30: Und die natürlich von der Größe her ungefähr auch dem menschenmaß angemessen sein müssen und trotzdem aber ganz elegant und zierlich wirken müssen wenn es zum Beispiel um eine Libelle geht.

00:11:44: Man hat aus der Musik zum Schlauen Füchslain NS Suite zusammengestellt nicht Yana Jack selbst war das aber er wäre sicher Einverstanden gewesen und in dieser Suiet kommen vor allen Dingen diese kratzilen, balletartigen Passagen vor.

00:11:58: Und die reichen auch schon vollkommen aus um den Zuhörer zu fesseln.

00:12:04: Die Suiet versucht also weniger der Bühnenhandlung nachzugehen, der gesamten Oper sondern stützt sich vor allem auf... Die Ballett-Tänze der Libellen und sogar ein Frosch muss damit machen, obwohl er ja nur so ein bisschen Plomp hüpfen kann.

00:12:21: Aber wenn es um Jana Cek geht dann sind alle Tiere eben auch beseelt und haben ihre ganz eigene Sprache.

00:12:29: Jana Csek hat seine Musik gestützt auf sogenannte Sprachmotive.

00:12:35: In den Straßen herumgegangen und hat zugehört.

00:12:39: die Intonation der Leute, wenn sie miteinander reden.

00:12:43: Und wie sie weiter verwenden, dass das dann fast wie musikalische Motive manchmal klingt.

00:12:49: Diese Sprachmotive hatte dann irgendwann auf die gesamte lebendige Natur übertragen.

00:12:55: Das heißt auch die Tiere können solche Motive äußern aber nicht nur die Tiere sondern sogar auch die Bäume.

00:13:01: Es gibt ein berühmtes Foto von Janacek, wie er in Holland am Strand steht.

00:13:09: Am Atlantik-Strand und die Sprache der Wellen notiert – also die Motive, die das Wasser bereitstellt.

00:13:18: Ein bisschen was von der Welt als Klingender Natur lässt sich überall zum schlauen Füchslain wiederfinden.

00:13:29: Zum Abschluss noch einmal der Hinweis auf das Konzert ist Vintage Art am Samstag den zehnten Oktober Um neunzehn Uhr im Kulturpalast Dresden.

00:13:37: Ich wünsche Ihnen viel Freude!

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