Digitale Konzerteinführung | Brahms Violinkonzert
Shownotes
Fanny Hensel stand nicht nur lange im Schatten ihres berühmten Bruders Felix Mendelssohn Bartholdy, auch als Komponistin wurde sie erst (viel zu) spät entdeckt. Ihr Zyklus „Das Jahr“ war sogar bis 1980 verschollen. Heute gilt er als wahrer musikalischer Schatz. Ursprünglich für Klavier komponiert, ist jedes der 12 Charakterstücke einem Monat gewidmet. Inspiriert wurden sie von der Kultur und Natur Italiens, entsprechend sonnig, lichtdurchflutet und heiter ist ihr Charakter.
Johannes Brahms‘ Violinkonzert dagegen wurde schon mit seiner Uraufführung berühmt. Das lag aber nicht nur an seinen eingängigen und im letzten Satz ungarisch-feurigen Melodien, sondern daran, dass es zunächst als fast unspielbar galt. „Das ist viel zu schwer!“, meinte Joseph Joachim, dem Brahms das Konzert als Freundschaftsgeschenk gewidmet hatte. Aber er überwand die Schwierigkeiten, so wie viele Geigerinnen und Geiger nach ihm, und heute gehört es zu den beliebtesten Violinkonzerten überhaupt.
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00:00:04: Herzlich Willkommen zur Konzertanführung Digital an Podcast Angebot der Dresdner Philharmonie.
00:00:10: Mein Name ist Albert Breier, ich bin Komponist und möchte Sie in das Programm der Konzerte am einendreißigsten Oktober und ersten November einführen.
00:00:18: Auf dem Programm stehen die Komposition Das Jahr von Fanny Hänsel und das Violinkonzert in Die Edur von Johannes Brahms.
00:00:27: die Schwester von Felix Mendelssohn Bartoldi.
00:00:49: Sie sind zusammen aufgewachsen in Berlin, in sehr glücklicher Atmosphäre und waren beide schon ganz früh sehr stark musikalisch tätig.
00:01:00: Es war sogar so eine Art Wettstreit, wer von beiden die größere Begabung hätte zur Musik?
00:01:06: Beide haben Klavier gespielt, komponiert sich auch als Dirigent versucht.
00:01:11: Aber es war natürlich damals gesellschaftlich so, dass man als Frau da eher keine Chance hatte im Musikbetrieb.
00:01:18: Als Mann war's da sehr viel leichter und so musste Fanny dann ihre Ambitionen etwas zurückstecken.
00:01:25: Sie hat zwar viel komponiert aber keines ihrer Werke ist zu Lebzeiten im Druck erschienen bis ganz kurz vor ihrem Tod Während Felix eine Karriere machte, eine sehr glanzvolle Karrière und seine Werke wurden eben nicht nur überall gespielt sondern überall auch gedruckt.
00:01:44: Während Fanny dann in Berlin doch eher im privaten Kreis tätig war bei den sogenannten Sonntagsmusiken wenn sie Musik begeisterte bekannte um sich versammelte Und da hat sie eben auch Stücke präsentiert die sie selbst komponiert hat aber auch sonst natürlich Werke von ihrem Bruder und von anderen Komponisten.
00:02:07: Sie war jedenfalls eine glühende Musikliebhaberin, wird auch von Zeitgenossen beschrieben als außerordentlich begabt, außerordnlich faszinierend, außer ordentlich talentiert.
00:02:19: Sie hat an den Maler Willem Hänsel geheiratet.
00:02:22: das war eine glückliche Ehe.
00:02:24: wahrscheinlich war es eine gute Idee kein Musiker zu heiraten sondern einen Maler.
00:02:29: Sie ist dann im selben Jahr gestorben wie Felix ein halbes Jahr vor ihm und man nimmt an, dass Felix eigentlich Auskummer über ihren Tod ihr mehr oder weniger nachgestorben ist.
00:02:42: Beide sind an einem Schlaganfall gestorbt.
00:02:44: Das lag wohl in der Familie und es war für die Musikwelt ein großer Verlust.
00:02:52: Fanny Hänsel hat einen Klavierzyklus geschrieben den sie das Ja betitelte eine musikalische Darstellung der zwölf Monate des Jahres von Januar bis Dezember.
00:03:06: Jahreszeitenkompositionen hatte es natürlich auch schon vorher gegeben, am berühmtesten wahrscheinlich die vier Jahreszeite von Antonio Vivaldi, vier Violinkonzerte aber eben nur vier.
00:03:18: bei Fanny ist das jeder einzelne Monat, der geschildert wird und dann sind das eben zwölft Stücke.
00:03:24: Die sind von Detlev Glanat ganz behutsam orchestriert worden, eigentlich so im Stil der Mendelssohnzeit und haben dadurch noch etwas mehr an Farbe gewonnen.
00:03:36: Auch diese Stücke wurden erst lange nach Fanistod herausgegeben und es hat sich glücklicherweise ein sehr schönes Manuskript erhalten wo dann nicht nur die Musik da ist sondern auch Illustrationen und auch Zitate von berühmten Dichtern die zu den einzelnen Monaten passen.
00:03:54: Die Musik ist wahrscheinlich am schönsten in den etwas bewegteren Setzen.
00:03:59: So die Sommeratmosphäre gelingt von nie wirklich ganz besonders gut, aber insgesamt ist es ein sehr abwechslungsreiches Stück weil die Monate dann doch sehr sehr charakteristisch dargestellt werden und auch ohne zu wissen welcher Monat es ist würde man wahrscheinlich beim Rateln ziemlich leicht drauf kommen.
00:04:21: Johannes Brahms hat nur ein einziges Violinkonzert geschrieben, aber das hatt es in sich.
00:04:26: Es ist eines der schwierigsten Konzerte überhaupt in der Violin-Literatur.
00:04:31: Es wurde von ihm ja mehr oder weniger erwartet, dass er einen Violinkonzert schreiben würde.
00:04:37: Er galt hier als der Nachfolger Beethovens und alle die Werke, die Beethoven musterhaft geschrieben hatte.
00:04:43: Die musste sozusagen Brahms noch einmal schreiben.
00:04:47: Das fing an mit der ersten Symphonie, die dann auch prompt als Beethovens Zehnte bezeichnet wurde.
00:04:53: Und nun hatte Beethoven eben auch ein einziges Violinkonzert geschrieben in D-Dur.
00:04:59: und was machte Brahms?
00:05:00: Er schrieb sein einziges violin Konzert in Ddur.
00:05:05: er hatte dann durchaus vor noch ein zweites zu schreiben.
00:05:08: da gab es wohl auch Skizzen aber mit dem ersten wollte das nicht so richtig klappen.
00:05:12: beim Publikum und bei den Geigern hat er leider wohl dieses Kizzen verbrannt, sodass wir nur dieses Einzige haben.
00:05:20: Die Geiger fanden nämlich dieses Konzert gar nicht auf Anhieb so großartig und es gab sogar das böse Wort dass sei nicht ein Konzern für Violiner und Orchester sondern gegen Violine und Orkester.
00:05:34: Die Geige hat auch ganz schön zu kämpfen.
00:05:36: Es ist so ein symphonisches Konzert wie eigentlich fast alle Konzerte von Brahms, der Klavierkonzerte also eine Symphonie mit obligater Geige in der das Orchester einen sehr großen Anteil hat und eben auch selbst wunderschöne Themen spielen darf.
00:05:54: besonders macht sich das bemerkbar am Anfang des zweiten Satzes.
00:05:57: da schweigt die Geige und die Melodieförung wird von der Oboe übernommen, die dann über zwanzig Takte eine ganz wunderbare Melodie spielen darf.
00:06:08: Und der berühmte Galgar Pablo de Sarasate war so erbost als er das sah dass er dieses Stück nicht spielen wollte und sagte was soll denn?
00:06:16: da ist ein Violinkonzert wo die einzige Melodie von der Oboe gespielt wird und ich soll also nichts tun daneben stehen und mir das anhören.
00:06:25: nein das spiele ich nicht.
00:06:27: Er war durchaus der Meinung, dass das Konzert gute Musik sei.
00:06:31: Das war wohl auch nicht zu bestreiten aber ihm war da einfach viel zu wenig solistischer Glanz und man muss sagen, dass die Konkurrenz der Urbohr doch auch ziemlich stark ist.
00:06:41: War das einfach so wunderschönes was dir das spielt?
00:06:44: Dass man die Geige für einen Moment fast vergisst und das ist natürlich das Schlimmste was einem Violinkonzert passieren kann, Andererseits hat sie dann doch genug zu tun und auch sehr abwechslungsreich zu tun, sehr virtuos aber auch sehr melodisch.
00:07:04: Schon gleich der erste Satz hat eine Reihe von ganz wunderschönen Themen also einen großen Reichtum eigentlich an thematischen Formulierungen was sonst nicht immer der Fall ist bei Brahms.
00:07:16: Manchmal begnügt er sich auch mit eher einfacher Material, was dann wunderbar entwickelt wird.
00:07:22: Aber im Violinkonzert sind die Themen an sich schon sehr schön.
00:07:26: Natürlich werden sie dann auch variiert und tauchen in allen möglichen Verwandlungen auf aber schon in der Urform sind Sie meistens sehr faszinierend und es ist eine große Freude das zu hören.
00:07:39: Der schönste Moment im ersten Satz ist wahrscheinlich wenn kurz verschluss des Satzes nach der Solo-Cardenz Die Geige in ganz, ganz hoher Lage noch einmal das Anfangsthema spielt.
00:07:50: Wenn das zuerst kommt im Orchester ist es sehr tief gelegt und das ist dann so eine großartige Verwandlung dass es dann sozusagen in die höchsten Höhen aufsteigt und dann nochmal einen ganz anderen Charakter zeigt.
00:08:05: Diese Solokadenz stammt nicht von Brahms.
00:08:08: Brahms war ja kein Geiger er war von Haus aus Pianist.
00:08:12: Er hatte mit der Geige immer etwas Mühe.
00:08:14: Er musste seinen Freund Josef Joachim fragen, was er nun möglich wäre?
00:08:19: Es gibt eine ganz auswöhnliche Korrespondenz über das Violinkonzert zwischen Braems und Joachimm, wo Braems immer wieder Fragen stellt geht.
00:08:29: Wie kann man das besser
00:08:30: machen?".
00:08:31: Und Joach im auch ganz geduldig dann ihm antwortet... Aber Brahms hat keineswegs alle Anregungen seines Freundes befolgt.
00:08:39: Also ist es auch noch einiges stehen geblieben, was heute die Geiger zum Schwitzen bringt.
00:08:45: Geschwitzt hat wohl damals auch schon Joachim und er hat dann seinen Freund gebeten doch bitte schön das Tempo vom letzten Satz etwas ruhiger zu nehmen.
00:08:54: also nicht Allegro sondern Allegro Marlon Tropowivacce also nicht so schnell dieses Allegro.
00:09:02: Das führt dazu, dass dieser Satz manchmal heute eigentlich eher zu langsam gespielt wird weil man das eben sehr ernst nimmt diese Tempo Bezeichnung.
00:09:10: Aber Brahms ging es doch darum da ein ganz flottes Finale zu schreiben so etwas in ungerischer Art was dann wenn man das etwas schneller nimmt dann auch besonders boiliant klingt.
00:09:22: natürlich der Solist muss dafür ziemlich viel üben.
00:09:26: aber wenn das Konzert wunderschön gespielt wird, dann hat man das Gefühl Brahms konnte doch was mit der Geige anfangen.
00:09:33: Er hat dann doch seinen Pianisten da sein damals vollständig vergessen und konnte sich in das eben eigentlich fremde Instrument ganz großartig einfühlen, sondern dass man das gefühl hat ist es eben doch ein Konzert für die Violine und nicht gegen die Violin.
00:09:52: Zum Abschluss noch einmal der Hinweis auf die Konzerte.
00:09:55: Sie finden statt am Samstag, den einunddreißigsten Oktober um neunzehn Uhr und am Sonntag den ersten November um achtzehn uhr im Kulturpalast Dresden.
00:10:04: Ich wünsche Ihnen viel Freude!
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