Digitale Konzerteinführung | Runnicles mit Bruckner
Shownotes
Beethovens Klavierkonzert Nr. 2 in B-Dur zeigt den jungen Komponisten zwischen Mozart-Nähe und eigener Handschrift. Spritzige Virtuosität, dialogische Orchesterführung und lyrische Passagen prägen das Werk. Besonders das heitere Rondo-Finale verbindet Eleganz mit überraschendem Witz.
Typisch für die Sinfonien von Bruckner sind großangelegte Entwicklungen und ganz verinnerlichte Passagen, seine Siebte ist da keine Ausnahme. Als er sie komponierte, starb der von ihm verehrte Richard Wagner. Anlass für Bruckner, den langsamen Satz mit Glockengeläut enden zu lassen. Und noch einen Bezug zu Wagner hat das Werk: für ihre Aufführung verlangte Bruckner den Einsatz sogenannter „Wagner-Tuben“, klanglich eine Mischung aus Horn und Posaune, die Wagner extra für seinen Opernzyklus „Der Ring des Nibelungen“ erfunden hatte.
Transkript anzeigen
00:00:04: Herzlich willkommen zur Konzertanführung.
00:00:06: Digital, ein Podcastangebot der Dresdner Philharmonie.
00:00:10: Mein Name ist Albert Breier und ich bin Komponist und möchte Sie in das Programm der Konzerte am sechsten und siebten November einführen.
00:00:17: Auf dem Programm stehen das zweite Klavierkonzert in B-Dur von Ludwig van Beethoven und die siebte Sinfonie in E-Dure von Anton Prokner.
00:00:26: Die Dresdener Philharmonie spielt unter der Leitung von Sir Donald Warnickens.
00:00:31: Der Solist ist Emmanuel Achs.
00:00:43: Ludwig von Beethoven hatte einen Plan, Karriere zu machen der ziemlich gut war und auch funktioniert hat.
00:00:49: Nämlich nach dem Vorbild von Wolfgang Amadeus Mozart wollte er auftreten mit eigenen Klavierkonzerten die er eben nicht nur selbst komponiert hatte sondern auch selbst spielte.
00:01:02: Mozart hatte mit dieser Taktik großen Erfolg gehabt in Wien.
00:01:06: Er hat ja sehr viele Klavierkonzerte geschrieben.
00:01:09: zwar war irgendwann das Publikum sogar etwas übersättigt und meinte nun jetzt hatten wir schon zwanzig Klavierkonzerte von Mozart, jetzt brauchen wir noch mal was anderes.
00:01:19: Aber das Rezept war eigentlich nicht schlecht und wie gesagt Beethoven hat damit auch Erfolg gehabt.
00:01:27: Das erste Klavierkonzert mit dem er aufgetreten ist in Wien war das Klavier Konzert in Bedur, was dann später die Nummer zwei bekam aber das erste gewesen wäre, sondern weil es einfach später veröffentlicht wurde als die offizielle Nummer eins des Konzerts Inzi Duhe.
00:01:48: Dieses Klavierkonzert in Biduhe hatte er schon in Bonn begonnen, eigentlich ganz früh.
00:01:54: bevor er zwanzig Jahre alt war, hatte er wohl schon Ambitionen – man weiß nicht ob er schon an Wien gedacht hat aber jedenfalls wollte er mit so einem Stück die große weite Welt erobern.
00:02:06: Als er dann nach Wien kam, hat er es mitgenommen und siebzehnhundertfünfundneinzig auch gespielt.
00:02:11: Mit großem Erfolg!
00:02:13: Aber er war selber noch nicht zufrieden mit dem Stück.
00:02:16: Er hatte es da noch mehrmals umgearbeitet.
00:02:18: Das Stück bekam ein neues Finale und ist dann erst achtzehnhunderteins veröffentlicht worden.
00:02:25: Beethoven hatte dann inzwischen natürlich als Komponist schon große Fortschritte gemacht.
00:02:30: Trotzdem ist es erstaunlich, dass dieses zweite Klavierkonzert doch ziemlich einheitlich wirkt.
00:02:36: Man merkt schon deutlich die Einflüsse von Mozart und auch von Hayden aber es ist doch schon ein echter Beethoven vor allen Dingen im Schlusssatz.
00:02:46: Der erste Satz ist noch am meisten vielleicht erkennbar nach dem Vorbild Mozartes nachgebildet.
00:02:53: Einen Satz der auch brilliant ist da in dieser Hinsicht vielleicht sogar über Mozart hinausgeht, dessen Klavierkonzerte doch auch dem Orchester sehr viel zu tun geben und wo der Solist sich manchmal ganz erstaunlich zurückhält.
00:03:09: Das war Beethoven's Sache nicht.
00:03:11: bei ihm ist das Klavier doch meistens im Vordergrund mit Passagen die eben auch wirklich nicht so ganz leicht sind.
00:03:18: Beethoven hatte da einen großen Ehrgeiz und er hatte bestimmte technische Fähigkeiten, die andere Pianisten nicht hatten.
00:03:26: Berühmt war er vor allen Dingen dadurch, dass er Doppeltreller spielen konnte.
00:03:31: Also Doppeltreller das heißt zwei Stimmen in einer Hand trellern lassen.
00:03:36: Das ist schon aus muskulären Gründen gar nicht so einfach.
00:03:40: da streuben sich ein bisschen die Hand und Finger muskeln aber Beethoven konnte das Präliant und so einen Doppeltreller, den bringt er dann kurz vor Schluss in seinem zweiten Klavierkonzert an.
00:03:51: Den hat er sich sozusagen aufgehoben als besonders virtuoses Kunststück und da macht der natürlich auch einen großen Eindruck.
00:03:58: dieser Treller Der erste Satz wie gesagt noch mehr nach Mozart.
00:04:03: Da gibt es eben diese ganz großartigen akrobatischen Kunststücke noch nicht.
00:04:10: Der zweite Satz klingt schon etwas mehr nach Beethoven, der ist vor allen Dingen sehr feierlich, sehr ernst.
00:04:17: Das war in Solo-Konzerten ja nicht unbedingt üblich.
00:04:19: die durften auch im zweiten Setzen halt doch nicht zu sehr nach Adagio klingen, nach Feierlichkeit und nach Tiefkündigkeit sondern sollten etwas unterhaltsam sein.
00:04:31: Das beachtet Beethoven hier nicht so richtig, also es ist doch ein Satz der schon sehr tief geht für einen Klavierkonzert wo sich das Orchester dann auch hervortut mit ganz feierlichen Klingen.
00:04:45: Der Schlusssatz aber ist ein echter Konzertsatz sehr übermütig mit einem Kokoksmotiv als Thema.
00:04:52: Das ist wahrscheinlich der Satz, den man auch am meisten mit dem späteren Beethoven in Verbindung bringen kann wo er sich dann so einiges erlaubt was ich Mozart nicht erlaubte eben diese große Frechheit dieser Energie und Auch so ein bisschen Sachen, die dann satztechnisch etwas merkwürdig sind.
00:05:10: Vor allen Dingen auch die Beethoven-Syncopen, dass die Themen manchmal anders betont werden als man es eigentlich erwartet.
00:05:19: Beethoven ist natürlich bei dem zweiten Konzert nicht stehen geblieben aber er hat es doch noch nicht verleugnet.
00:05:25: Er den späteren Jahren dann noch Gadenzen dazu geschrieben und das noch mehrmals öffentlich aufgeführt selbst als er schon andere Konzerte geschrieben hatte, die dann noch weiter gingen eben in Richtung von dem was man heute unter Beethoven versteht.
00:05:43: Die siebte Sinfonie von Anton Bruckner war das jenige Stück, was den Komponisten zuerst Glück gebracht hat.
00:05:50: Reichlich spät – da waren er schon sechzig – er hatte doch sehr zu kämpfen als Komponnist.
00:05:56: Er wurde lange verlacht und man hat seine Musik nicht richtig verstanden.
00:06:00: Man fand seine Sinfonien viel zu lang die Gedankenführung viel zu schwerfällig.
00:06:08: Die Gedanken waren außerdem für den Geschmack der meisten viel zu sehr auch von Wagner abhängig, das sei doch keine echte Sinfonie.
00:06:17: man hat sie als symphonische Riesenschlangen verspottet.
00:06:21: diese Werke vor allem Johannes Brahms war sehr schlecht zu sprechen auf seinen Konkurrenten Bruckner.
00:06:28: Und das alles hatte zugeführt, dass Bruckner lange Zeit eben wirklich ganz im Hintergrund war und große Schwierigkeiten hatte seine Symphonien auch nur aufgeführt zu bekommen.
00:06:40: Die fünfte Symphonie zum Beispiel hat er nie gehört die sechste auch nicht.
00:06:45: bei der siebten hat sich das dann geändert und da war er natürlich ganz erleichtert und ganz glücklich weil das der große späte Wendepunkt in seinem Leben gewesen ist Warum das ausgerechnet die siebte Symphonie war, die diesen Erfolg hatte.
00:07:01: Das kann man schon am ersten hören ganz gut nachvollziehen.
00:07:04: Es ist ein Werk was einfach wunderbar klingt, ein ganz strahlendes Werk und vor allen Dingen es hat die schönsten Melodien, die man sich überhaupt vorstellen kann.
00:07:14: Die Melodie des Anfangs des Ersten Satzes ist besonders berühmt geworden Und von der hat Bruckner behauptet er hätte sie im Traum gehört.
00:07:25: dieser Melodie nähert, dann kann man das eigentlich auch ganz gut verstehen.
00:07:29: Sie klingt wirklich wie geboren aus einem Traum so als ob sie gar nicht von Menschenhand gemacht wäre sondern einfach vom Himmel gefallen.
00:07:40: eine ganz lange ganz weit ausgespondene Melodie die habsächlich von den Shelley gespielt wird aber einen ganz großen Ton umfang hat also auch in die Tenor und Altlage noch geht.
00:07:53: Diese Melodie entscheidet sozusagen von vornherein schon das Glück, dass man als Hörer bei dieser Sinfonie empfindet und auch das Glück was eben Bruckner damit gehabt hat.
00:08:07: Der erste Satz ganz strahlend in der Tonart E-Dur mit vier Kreuzen die eigentlich sowieso sehr leuchtend ist.
00:08:17: Es gibt natürlich auch Kontraste, es gibt auch Moll-Themen aber insgesamt lässt sich der Charakter von Edur die ganze Zeit immer deutlich spüren.
00:08:28: Den großen Gegensatz bildet dann der zweite Satz in Cis-Moll.
00:08:32: den hat Bruckner selbst mit dem Tod von Richard Wagner in Verbindung gebracht.
00:08:36: als Brucker damit begann lebte Wagner noch Aber Bruckler dachte insgeheim dass der Meister ihr wohl nicht mehr lange leben könnte und hatte das Adagio als eine große Trauermusik angelegt.
00:08:49: Kurz bevor dem Ende, als der Satz schon vollendet war ist Wagner dann wirklich gestorben und dieser Satz Schluss ist dann die eigentliche Trauermusik für Wagner geworden.
00:09:01: Vorher gibt es aber auch nicht nur Trauer, es gibt auch Trost.
00:09:05: ein wunderbares zweites Thema in den Geigen was nicht nur tröstlich klingt sondern fast etwas graziös elegant etwas elfenhaft.
00:09:14: Bruckner geht ja allgemein als eher schwerfällig, aber er konnte auch eben so wunderbar leichte Melodien schreiben.
00:09:23: Der Philosoph Theodor wie Adorno war nicht unbedingt ein großer Anhänger von Bruckna, aber als er gegen Ende seines Lebens eine Radiosendung machte mit dem Titel Schöne Stellen Da kam ja um Bruckner doch nicht herum.
00:09:38: Schöne Stellen, das hieß eben genau das was der Titel besagen will.
00:09:42: Adorno durfte sich da die schönsten Stellen oder seiner Meinung nach schönsten stellen der Musik Literatur aussuchen und vorstellen im Radio Und da ging es einfach nicht ohne Bruckener und vor allen Dingen nicht ohne die siebte Symphonie.
00:09:57: Und dieses elfenhafte, garziöse tröstliche Thema aus dem zweiten Satz das hielt eben auch Adorno für besonders schön.
00:10:07: Der dritte Satz ist fast ein bisschen unheimlich mit einem Thema was so an einen Harnenschrei erinnert von der Trompete gespielt wo es doch so auch ein bisschen stürmisch zugeht.
00:10:19: Dafür das ein ganz sanftes Trio Thema in F-Dur, was insgesamt eher so ein bisschen an Schubert erinnert.
00:10:29: die Verbindung zwischen Schupert und Bruckner waren ja musikalisch sehr stark.
00:10:33: also bei vielen der schönen Melodien von Bruckna denkt man dass sie eigentlich auch hätten von Schuwert geschrieben sein können.
00:10:41: Das Finale nun ist für Bruckners Verhältnisse fast übermütig mit einem Thema, das zwar an das Traumthema vom ersten Satz erinnert aber ganz anders geartet erst mit einem ganz spätzigen Rhythmus.
00:10:53: Ganz leicht weder und eben übermültig auf eine Weise die man Bruckner gar nicht zutraut normalerweise.
00:11:02: Dieses Finale ist dann insgesamt auch sehr konzentriert.
00:11:06: Es hat zwar auch das übliche bognische Choral-Thema, aber der Choral breitet sich hier nicht so aus wie in anderen Sinfoniefinali etwa in der fünften Sinfonie sondern gibt eigentlich mehr oder weniger nur ein Gastspiel kommt also zweimal relativ kurz vor und verschwindet dann wieder Den Hauptteil nimmt doch dieses übermütige Hauptthema ein und ganz zum Schluss gibt es dann auch einen Bezug zum Schluss des ersten Satzes, das sich so der Kreis schließt.
00:11:37: Die Sinfonie hört womöglich noch strahlender auf als sie begonnen hat.
00:11:42: Dieses Glück was eben nicht nur die Musik bietet sondern was auch biografisch der Komponist Dieses Glück, das ist der Sinfonie immer treu geblieben.
00:11:52: Noch heute ist es die jenige Bognasinfonie, die beim Publikum am meisten anklang findet und am häufigsten aufgeführt wird.
00:12:01: Zum Abschluss noch einmal der Hinweis auf die Konzerte.
00:12:03: Sie finden statt am Freitag den sechsten November um neunzehn Uhr und am Samstag den siebten November ebenfalls um neundzehn uhr im Kulturpalast Dresden.
00:12:13: Ich wünsche Ihnen viel Freude!
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